Jackie: Natalie Portman als Kennedy-Witwe

Drama, USA/F/CHL 2016

Jackie hat das Blut ihres Mannes auf ihrem Kostüm

Pablo Larraíns Biopic beschreibt die Tage nach dem JFK-Attentat: aus Sicht einer brillantgefühlvollen Natalie Portman

Das Attentat auf John F. Kennedy vom 22. November 1963 muss man nicht groß erklären -die Bilder des sterbenden US-Präsidenten in der offenen Limousine sind auch mehr als ein halbes Jahrhundert später noch präsent. Seine Ermordung unter rätselhaften Umständen war immer wieder Stoff für Kino, TV und Serien - allen voran das zweifach oscargeadelte Oliver Stone-Epos JFK mit Kevin Costner. Der jüngste Beitrag zum Thema, Jackie - Die First Lady von Pablo Larraín, widmet sich allerdings jener Person, die die Tragödie hautnah miterlebte: seine Frau Jackie Lee Bouvier Kennedy (1929-1994), wunderbar verkörpert von Natalie Portman. Wie muss das für die junge Präsidentenfrau gewesen sein? Wie fühlte sich die 34-jährige, zuvor vom Schicksal schon schwer Gebeutelte (drei ihrer Kinder starben vor bzw. kurz nach der Geburt), in den Tagen danach? Der chilenische Regisseur Larraín versucht in seinem ersten englischsprachigen Film, Antworten zu finden.

Darum geht es in ‚Jackie‘:

Jackie ist kein herkömmliches Porträt, kein historischer Beitrag, sondern vielmehr eine filmische Annäherung an die wohl populärste First Lady aller Zeiten (auf Augenhöhe ist nur Michelle Obama), eine Charakterstudie, die eine erschöpfte Jackie beschreibt, hin- und hergerissen zwischen ihrer eigenen Wahrheit und Trauer und dem, was Millionen von Amerikanern, Presse und Verbündete von ihr erwarten. Dabei versucht sie das Vermächtnis ihres Mannes zu retten (nur dezent werden seine Affären angedeutet) und den Mythos JFK (und ihren eigenen) aufzubauen. Mit aller ihr verbliebenen Kraft organisiert sie etwa das Begräbnis - im Stile jenes von US-Präsident Abraham Lincoln.

Es sind zwei erzählerische Stränge, die das Biopic tragen: Der Blick in die Vergangenheit zeigt eine junge, fragil wirkende Präsidentenfrau, die ein TV-Team durch das Weiße Haus führt und dabei dessen Geschichte erzählt. In der Film-Gegenwart ist sie die berechnende Präsidentenwitwe, die einen auf seinen Durchbruch hoffenden, namenlosen Journalisten benützt (sehenswert unsympathisch Billy Crudup; Spotlight, Almost Famous)."Denken Sie nicht einmal eine einzige Sekunde daran, dass ich Ihnen erlaube, das zu veröffentlichen", sagt ihm eine bissige Jackie, nachdem sie ihm detailgetreu und sehr tränenreich das Attentat geschildert hat. Wie ihr Blut, Gehirn und Knochensplitter um die Ohren flogen, und wie sie JFKs Kopf zusammenhielt. Eine der vielen Szenen, die unter die Haut gehen.

Unsere Meinung zu ‚Jackie‘:

Portman liefert eine - international hochgelobte, Golden-Globe-nominierte und für den Oscar nominierte Performance ab, die dem Zuschauer sehr nahe geht. Glaubwürdig imitiert sie Jackies hauchenden Dialekt und ihre oft gekünstelten Gesten und macht damit der Ikone alle Ehre. Die vielen Nahaufnahmen der trauernden Witwe und der geschickt überlegte Einbau historischen Materials gleicht den oft kratzigen, tempomachenden Soundtrack aus. - Trotz mancher Längen sehr sehenswert!

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