Jack Reacher 2 – Kein Weg zurück

Action/Abenteuer, US 2016

Jack is back

Der zweite Fall für den durch die USA vagabundierenden Ex-Militärpolizisten erweist sich als mörderische Army-Intrige auf hoher Ebene

Eigentlich ist Sentimentalität ein Charakterzug, der Jack Reacher (Tom Cruise) so überhaupt nicht entspricht. Doch nachdem er zwei korrupte Provinzsheriffs ausgeschaltet hat, die auf Grenzgebiet, das der US-Army untersteht, brutalen Menschenhandel betrieben haben, möchte er die Frau kennenlernen, deren Stimme er nur vom Telefon kennt und mit der er bei diesem Coup zusammenarbeitete: Major Susan Turner (How I Met Your Mother-Star Cobie Smulders), die nun an jenem Schreibtisch sitzt, von dem aus er vor Jahren die Geschicke seiner Militärpolizei-Abteilung geleitet hatte, ehe er seinen Abschied nahm, um ziellos durch die USA zu trampen.

Doch als er nach Washington zu seiner alten Einheit kommt, erwartet ihn eine Überraschung: Major Turner sitzt im Gefängnis. Angeblich wurden auf ihrem Konto hohe Geldsummen, die aus dunklen Quellen stammen müssen, gefunden. Außerdem wartet persönlicher Ärger auf Reacher: eine alte, ihm bis dato unbekannte Vaterschaftsklage. Er soll Papa einer Tochter im Teenageralter und damit mit jeder Menge Unterhaltszahlungen im Rückstand sein.

Normalerweise wäre das ein Fall für die Zivilgerichte, doch da hat jemand im Hintergrund intrigante Fäden gesponnen -die Army beruft sich auf eine unbekannte Klausel in Reachers altem Vertrag, ihn in außergewöhnlichen Fällen erneut einberufen zu können. Plötzlich ist der im Nahkampf praktisch unbesiegbare Vagabund wieder Armeeangehöriger und wird gleich verhaftet. Doch das ist dem Haudegen nur recht. Er befreit sich und Turner aus dem Militärgefängnis - gemeinsam beginnen sie, dieses Rätsel zu entwirren. Denn Turner war einer seltsamen Sache auf der Spur ...

Weit draussen in Afghanistan ...

Dort wurden kürzlich zwei ihrer MP-Angehörigen mitten in der Wildnis aus nächster Nähe erschossen. Sie ermittelten in einem Fall von verschwundenen Armeewaffen. Offenbar ist jemand ganz oben involviert und versucht, die beiden lästigen Quertreiber mit allen Mitteln aus dem Weg zu räumen.Vor allem aber will und muss Jack Reacher wissen, ob an der Sache mit seiner angeblichen Tochter nicht doch etwas Wahres dran sein könnte ...

lst 2012 die erste Verfilmung eines Jack Reacher-Romans aus der Feder von Bestseller-Maschine Lee Child vor der Premiere stand, war die Skepsis der weltweiten Fangemeinde (über 20 Reacher-Romane, mehr als 60 Millionen verkaufte Exemplare) groß: Tom Cruise spielte eine Figur, die in der literarischen Vorlage ein fast zwei Meter großer Hüne mit blonden Haaren und enormen natürlichen Muskelpaketen ist. Doch Cruise schaffte es mit Hilfe von Regisseur/Drehbuchautor Christopher McQuarrie (der danach mit der Regie von Mission: Impossible -Rogue Nation belohnt wurde) überraschend souverän, der Hauptfigur seinen eigenen, düsteren Touch zu geben, ohne das Original zu verraten, und gleichzeitig den von den Fans so geliebten Reacher-Spirit rüberzubringen -ein einsamer, im Nahkampf praktisch unbesiegbarer Wolf, der die moderne Welt mit ihrem digitalen Schnickschnack verweigert und ohne materiellen Tand wie Kreditkarten oder Handy durch die USA vagabundiert und fallweise -wenn man ihn braucht -seinen übergroßen, gnadenlosen Gerechtigkeitssinn von der Leine lässt. Auch das Auftaktbuch war mit dem zugrunde liegenden Roman Sniper perfekt gewählt: eine komplexe, aber logische Grundstory mit bunten Charakteren, feinen Nebenfiguren für große Schauspieler (Richard Jenkins, Robert Duvall!) und einem echt bösen Schurken (Werner Herzog). Zwar spielte Jack Reacher global "nur" 220 Millionen Dollar ein, erwies sich aber dann in der Home Entertainment-Verwertung als so fetter Fisch, dass die Fortsetzung beschlossen wurde.

Fazit: Solide inszenierte Geschichte mit zwei Top-Stars

Warum wir das alles so genau in Erinnerung rufen? Weil - leider, leider - alle diese Tugenden bei Jack Reacher: Kein Weg zurück zwar nicht verraten, aber zum Mittelmaß verwaschen wurden. Aus Gründen, die niemand weiß, griff die Produktion auf das aktuellste, erst im heurigen Herbst auf Deutsch erschienene Jack Reacher-Buch zurück. Und das stellte sich als eines der schwächeren der Reihe heraus, mit schwachem Haupt-und einem mittelprächtigen Nebenplot. Im Roman sitzt Reacher gefühlt die halbe Lesezeit im Auto und reflektiert über seine Zeit bei der Armee, die Möglichkeit, eine Tochter zu haben und sein Leben im Allgemeinen. Die Action kommt ziemlich kurz, ebenso die Logik - und die Bösewichte dazwischen und am Ende sind nichtssagend, langweilig und tot. Zwar haben Zwick und das Team all diese Langatmigkeiten komprimiert, trotzdem fehlt das Reacher-Gefühl: Teamarbeit statt einsamer Kämpfer (das blitzt nur in zwei Szenen auf), gesichtslose Gegner und reduzierte Action, dafür viel digitaler Menschenjagd-Schnickschnack; in manchen Szenen wirkt die gut spielende Cobie Smulders als MP-Major im Zentrum der Intrige beinahe härter und entschlossener als Titelheld Cruise. Dafür wich man beim Handlungsstrang mit der möglichen Tochter vom Buch ab, was dort aber einer der besseren Teile war.

Fazit: kein schlechter, ein solide inszenierter Verschwörungsthriller mit zwei Stars. Aber in vorhandenen anderen Geschichten und der Hauptfigur steckt mehr drin, als hier rausgeholt wurde.

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