Into The Wild

Abenteuer/Drama, USA 2007
Noch zeigt die Natur ihre schöne Seite

Noch zeigt die Natur ihre schöne Seite

Keine Weite ohne Grenzerfahrung, kein Paradies ohne Gefahr der Vertreibung: In seiner eindrucksvoll bebilderten Verfilmung von Jon Krakauers Bestseller "Into The Wild" spielt Sean Penn 148 Minuten lang geschickt mit dem Wunsch vieler Zuschauer, vielleicht doch den großen Schritt ins Ungewisse zu wagen, die Gesellschaft in doppelter Hinsicht hinter sich zu lassen und einfach auszusteigen.

Chris McCandless, auf dessen wahrer Geschichte der Stoff basiert, hat soeben das College abgeschlossen, seine stolzen Eltern wollen ihn mit einem neuen Auto dafür belohnen, dass er nun sein Jus-Studium in Harvard antritt. Doch in seinem Unverständnis und Widerwillen, derart beschenkt zu werden, manifestiert sich auch der Wunsch, alle Erwartungen hinter sich zu lassen. Er tut es: zerschneidet die Kreditkarte, spendet sein Stipendium für wohltätige Zwecke, verbrennt das letzte Bargeld. Still und leise sucht er das Weite. Und nennt sich fortan Alex Supertramp.

Das Weite ist in diesem Fall Alaska, wo er nach zweijähriger Wanderschaft durch die USA einen verlassenen Bus - den "Magic Bus" - zu seinem Heim macht und fern jeglicher Zivilisation drei Monate verbringt, bis er vereinsamt und von giftigen Pflanzen lahm und wahnsinnig geworden stirbt.

Genau hier setzt Sean Penn an, um den Traum vom puren, einfachen Leben infrage zu stellen. Mit Hilfe von Rückblenden und der Erzählstimme der Schwester zeichnet er das ambivalente Abenteuer des Aussteigertums nach. In mehreren Kapiteln, von der zweiten Geburt nach dem Umstieg über die alternative Adoleszenz in Hippie-Wohnwagen-Siedlungen in der Wüste bis zur "größten Katastrophe meines Lebens", als Alex aus Fressgier einen Elch erschießt, der den Maden zum Opfer fällt, bevor er den Kadaver überhaupt zerteilen kann.

Mit Emile Hirsch hat Sean Penn einen Hauptdarsteller gefunden, der scheinbar mühelos den Bogen zwischen naivem Jüngling auf Selbsterfahrungstrip über den egoistischen und selbstzufriedenen Aussteiger bis hin zum reuig-verzweifelten Sterbenden spannt. Durch die in den wenigen Momenten ihrer Auftritte starke Präsenz der Nebenfiguren, in denen sich der junge McCandless auf verschiedenste Art spiegelt, wird die Entwicklung des jungen Mannes zum bemitleidenswerten Einsiedler nachvollziehbar: William Hurt und Marcia Gay Harden überzeugen als streitlustige, frustrierte Eltern, Hal Holbrook berührt als einsamer Witwer, der seinem jungen Freund trotz der eben erst entstandenen emotionalen Bindung skeptisch aber doch beim Verwirklichen seiner Träume hilft, um ihn nicht ganz blindlings ins Verderben rennen zu lassen.

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