Inside WikiLeaks

Drama/Thriller, USA/B 2013
Da war die WikiLeak-Welt noch in Ordnung

Da war die WikiLeak-Welt noch in Ordnung

Regisseur Bill Condon ("The Twilight Saga") hat sich entschieden, sein neues Werk "Inside WikiLeaks: Die fünfte Gewalt" im exaltierten Gestus einer CSI-Folge zu präsentieren. Zwar funktioniert in diesem Gewand die Fabel aus der Frühzeit der Aufdeckerplattform über weite Strecken - vor allem aber dank der Schauspielleistung von Benedict Cumberbatch und Daniel Brühl. Ab Freitag im Kino.

Der Deutsche Daniel Domscheit-Berg (Daniel Brühl) entwickelt sich zum engsten Vertrauten von Julian Assange (Benedict Cumberbatch) und mit ihm gemeinsam die Enthüllungsseite WikiLeaks. Mit ihrer als Plattform gedachten Website für Informanten, die anonym geheime Daten veröffentlichen wollen, hoffen sie, gesellschaftliche Missstände und Korruption aufzudecken. Die Gründer werden damit bald zu ebenso gefürchteten wie umjubelten Aktivisten. Zum Bruch zwischen den beiden kommt es allerdings, als ihnen der große Fund geheimer US-Dokumente zugetragen wird. Die Frage, ob man bei der Veröffentlichung geheimer Dokumenten auch die Klarnamen von Betroffenen veröffentlichen darf, obgleich dies deren Sicherheit gefährdet, entzweit die einstigen Mitstreiter.

Der digitale Thriller basiert auf dem Aufdeckerbuch "Inside WikiLeaks: Meine Zeit bei der gefährlichsten Website der Welt" von Domscheit-Berg, das 2011 Assange als egomanischen Maniac zeichnete. Dieser Sicht folgt der Film nun, wenn Cumberbatch Assange kongenial mit dessen charakteristischer Mimik aus bekifft und hoch konzentriert spielt und dabei immer wieder auch frappant an seine Paraderolle des "Sherlock" erinnert. Wie im realen Leben droht Brühl als moralisch anständiger Normalmensch gegen den charismatischen, egozentrischen Assange auch in den Augen der Kinozuschauer ins Hintertreffen zu geraten.

Zugleich schafft der Film, eine gewisse Differenzierung in der Frage zu wahren, mit welcher Taktik man sich moralischer verhält, welche der beiden Hauptfiguren den größeren Verdienst am Erfolg von WikiLeaks hat. Ist die Aufdeckerarbeit wert, die eigene Beziehung zu opfern? Ist die Mission tatsächlich größer als die an ihr Beteiligten, oder geht es letztlich doch um die Befriedigung des eigenen Geltungsbewusstseins?

Verpackt ist dieses mit vielen weisen Sprüchen gespickte Psychoduell zweier IT-Experten allerdings in einen exaltierten Rahmen, in dem die Beteiligten narrativ relativ unmotiviert auf ein munteres Städtehüpfen von Berlin nach Island, von Belgien nach Kenia, von Zürich nach Washington geschickt und gleichsam dem Dauerbeschuss von Inserts, Credits und Textüberblendungen ausgesetzt werden. Stimmiger gelingt da die Materialisierung des virtuellen Raumes mittels eines virtuellen Büros, das sich gemäß der Situation der Protagonisten stetig verändert. Mehr von dieser Poetik hätte die politische Brisanz, die "Inside WikiLeaks" birgt, vielleicht weniger in den Hintergrund treten lassen als im pathetischen Effektfeuer. Sehenswert bleibt der Film aber auch so.

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