Inherent Vice - Natürliche Mängel

Komödie/Krimi, USA 2014
Larry (l.) muss drei Fälle auf einmal lösen

Larry (l.) muss drei Fälle auf einmal lösen

Der "Dude" Jeff Bridges ist zurück, und Johnny Depp in seinen Hunter-S.-Thompson-Verfilmungen: Diesmal ist es aber Joaquin Phoenix, der einen dauerbekifften Antihelden spielt, der ein stark besetztes Ensemble dominiert. Damit hat die Oscar-nominierte Neonoir-Persiflage "Inherent Vice" durchaus das Zeug zum Kultstreifen.

An der kalifornischen Pazifikküste verdingt sich Larry "Doc" Sportello (Phoenix) als Privatermittler - ohne besonderen Ehrgeiz und stets mit einem Joint im Mund, dafür mit einer dreisten Naivität ausgestattet. Trotzdem stehen dem backenbärtigen Schnüffler mit einem Male drei Fälle auf einmal ins Haus, als seine Exfreundin Shasta Fay (Katherine Waterston) ihn mit dem Schutz ihres Liebhabers beauftragt, einem jüdischen Immobilienhai, der sich von einer arischen Bruderschaftsgang beschützen lässt. Hinzu kommt ein Afroamerikaner, der einen Nazi finden lassen will, der ihm aus gemeinsamen Knastzeiten Geld schuldet und eine Frau, die Doc auf ihren vermeintlich toten Ehemann (Owen Wilson) ansetzt.

Der Noir-Kundige ahnt: Alle Fälle hängen zusammen. Viel mehr als ahnen wird er das aber auch am Ende von "Inherent Vice" nicht. Schließlich muss sich Doc mit dem brutalen Polizisten (Josh Brolin), einem Neonazi mit Hakenkreuztattoo, einem extremkoksenden Zahnarzt und allerlei weiteren Widrigkeiten herumschlagen. Hier kommt dem schwurbeligen Geschehen zugute, dass der Neo-Noir bis in die kleinen Nebenrollen hinein hochkarätig besetzt ist und sich vor dem Schauspielerkino verneigt, wenn etwa ein abgehalfterter Benicio del Toro als Anwalt ohne große Rechtskenntnis Doc unterstützt und Reese Witherspoon als hochgeschlossene Ermittlerin mit dem verpeilten Schnüffler nicht nur Erkenntnisse, sondern gelegentlich auch das Bett teilt. Trotzdem hat Doc irgendwann 20 Kilogramm Heroin im Kofferraum, die er loswerden muss, und ein mysteriöses Schiff im Fokus, das ein halbes Jahrhundert im Bermudadreieck verschollen sein soll.

Erfolgsregisseur Paul Thomas Anderson inszeniert im 70er-Jahre Outfit ein 30er-Jahre-Genre mit zeitgenössischer Ironie, in dem sich skurrile Charaktere für abstruse Dialoge im Duktus von Quentin Tarantino die Klinke in die Hand geben. "Inherent Vice" ist letztlich die Persiflage auf eines der großen Genre der Filmgeschichte und zugleich ein eigenständiger Film mit Ecken und Kanten. Und wie bei den großen Noir-Klassikern kann auch der willigste Zuschauer der Handlung oftmals nur schwer folgen.

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