Inferno

Thriller, USA/J/TR/H 2016

Langdon im Wettlauf gegen die Zeit

Nach Sakrileg und Illuminati kommt der nächste Streich: Inferno

in Virus bedroht die Welt, nur ein Rätsel der italienischen Renaissance kann Rettung bringen: 3. Fall für Kryptologe Robert Langdon.

In einem Hospital in Florenz wird Kryptologe Dr. Langdon (Tom Hanks) von apokalyptischen Pest-Albträumen geplagt. Als er aus ihnen erwacht, leidet er an Gedächtnisverlust und hat keine Ahnung, was in den letzten Tagen passiert ist, warum er am Kopf verletzt wurde und weswegen er nicht daheim an seiner Uni in den USA ist. Zum Nachdenken bleibt keine Zeit -eine als Mitglied der Carabinieri verkleidete Killerin versucht, ihn im Krankenhaus zu erschießen, in letzter Sekunde gelingt ihm mithilfe der jungen Ärztin Dr. Brooks (Felicity Jones) die Flucht. Es stellt sich heraus, dass er letzte Nacht gemeinsam mit einem Freund die Totenmaske des italienischen Nationaldichters Dante Alighieri gestohlen hat, und jetzt ist die halbe Welt hinter ihm her: Polizei, die Weltgesundheitsorganisation WHO mit ihrem französischen Topagenten Bruder (Omar Sy), die gnadenlose Killerin und die Schergen einer namenlosen Geheimorganisation, die, angeführt von einem gewissen Provost (Irrfan Khan), entweder sein Wissen, an das er sich aber nicht erinnern kann, oder seinen Tod wollen. Welche Rolle spielt dabei die Projektion eines Botticelli-Gemäldes, das die Hölle nach Dante darstellt? Welche dessen Totenmaske und einige andere kunstgeschichtliche Kostbarkeiten, wie sie in Florenz an jeder Ecke zu finden sind? Hat es etwas mit dem charismatischen Aktivisten und Millionär Bertrand Zobrist (Ben Foster) zu tun, der erst kürzlich von Bruder und WHO-Agenten durch halb Florenz gejagt wurde, ehe er sich vom Turm des Domes in den Tod stürzte? Hat der Mann, der in der exponenziell wachsenden Bevölkerungszahl die größte Gefährdung der Welt sah und dagegen an allen Fronten agitierte, wirklich einen Virus versteckt, der die Menschheit halbieren könnte? Und wem kann Langdon, dessen Gedächtnis langsam zurückkehrt, wirklich trauen? Wer ist tatsächlich Freund, und ist jeder Feind am Ende auch ein solcher ?

Die Routine ist deutlich spürbar

Um es geradeheraus zu sagen: Inferno ist die bisher matteste der insgesamt drei Dan-Brown-Bestseller-Verfilmungen. Und das liegt weniger an Reihen-Regisseur Ron Howard und schon gar nicht an Tom Hanks, der wieder mal mit hängender Zunge und Denkerfalte auf der Stirn von einer historischen Sehenswürdigkeit zur nächsten hetzt, um hinter das erlösende Geheimnis zu kommen.

Diesmal liegt es eindeutig an den Autoren. Zum einen an Bestsellerfabrikant Dan Brown (über 200 Millionen verkaufte Bücher), der mit dieser 2013 in Buchform erschienenen Schnitzeljagd durch Florenz, Venedig und Istanbul seine bisher schwächste Geschichte ablieferte. Man merkte ihr schon beim Lesen an, dass die Kronjuwelen verschwörungsgeeigneter Artefakte der Kunstgeschichte zwischen Rom und Washington bereits in Sakrileg, Illuminati und Das verlorene Symbol (wurde noch nicht verfilmt) verwurstet waren. Trotzdem bietet Florenz mit seiner Geschichte genug Stationen, um Robert Langdon und sein Gefolge ordentlich zu beschäftigen. Allerdings, und da liegt der Fehler bei Drehbuchautor David Koepp, wird die Logik hinter der Spurensuche nie ganz klar.

Abgesehen davon, dass man wirklich das Buch gelesen haben sollte, um im Kopf sortieren zu können, wer wer ist und wer was will (die Sache mit der Geheimorganisation des Provost war schon im Roman knapp an der Grenze zur unglaubwürdigen Groschenroman-Räuberpistole; hier stürzt sie völlig in die "Häää?"-Schlucht ab), steht über allem die Frage: Warum sollte ein Mann, der die Welt vor der Überbevölkerung retten will und Selbstmord begeht, damit man ihn nicht stoppen kann, eine Renaissance-Rätselrallye über Vasari-Deckengemälde, venezianische Bronzepferde, die Totenmaske von Dante Alighieri und eine manipulierte Darstellung der Hölle von Botticelli organisieren, damit der Held das Inferno in letzter Sekunde doch verhindern kann? Die Erklärung wird in einem Nebensatz angedeutet, genügt aber bei Weitem nicht, um zwei Stunden Spurensuche zu rechtfertigen. Zumal die Artefakte diesmal ziemlich rasch, um nicht zu sagen lieblos und teilweise ohne dramaturgischen Sinn, abgehandelt werden. Ebenso fehlen die gänsehauterzeugenden musikalischen Motive von Hans Zimmer. Der hat zwar den Score geliefert, aber mehr als normale Action-Untermalung ist nicht daraus geworden. Erst zum Abspann erinnert man sich an alte Qualitäten und spielt das Th ema aus dem Da Vinci Code ein. Dass es am Ende trotzdem halbwegs interessant war (wussten Sie, dass die Quarantäne von den Venezianern erfunden wurde, weil sie aus Angst vor der Pest jede Schiffsbesatzung 40 Tage lang nicht an Land ließen?), weil man wieder ein paar Dinge aus der Kunstgeschichte gelernt hat, verdanken wir einem souveränen Tom Hanks. Außerdem will man nach dem Film sofort nach Florenz, um wieder mal den Uffi zien einen Besuch abzustatten. Dennoch muss man sagen - auch wenn es weitere Bücher zum Verfilmen gäbe: Danke, sehr freundlich, aber eigentlich ist es jetzt gut. Die immergleiche Story-Struktur von Dan Brown hat ihre Schuldigkeit getan, mehr ist nicht mehr nötig.

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