Immer Ärger mit 40

Komödie, USA 2012
Ist 40 das neue 30?

Ist 40 das neue 30?

Geht es nach Komödien-Erneuerer und Erfolgsgarant Judd Apatow, dann scheinen althergebrachte Rollenklischees und Lebensentwürfe nur dafür da zu sein, um gebrochen, verbogen, neu gedeutet zu werden. Für die Hauptdarsteller im neuen Film des US-Regisseurs, "Immer Ärger mit 40", bedeutet das eine gehörige Portion Midlife-Crisis, aber auch etliche witzige und abstruse Momente.

Die Charaktere, die Apatow dafür von einem Fettnäpfchen ins nächste stolpern lässt, kennt man bereits aus "Beim ersten Mal" (2007): Waren Pete (Paul Rudd) und Debbie (Leslie Mann) damals noch Nebenfiguren bei der ungewollten Schwangerschaft von Katherine Heigl, rücken sie nun in den Vordergrund - natürlich begleitet von einer ganzen Horde an liebevoll gezeichneten Sidekicks, wie man es von Apatow gewohnt ist. Im Auge des Sturms, der sich 40. Geburtstag nennt, müssen aber Rudd und Apatow-Ehefrau Mann meist alleine kämpfen. Dass dabei nicht nur faire Mittel angewendet werden, versteht sich von selbst.

Ein Mittelchen ist es auch, das den ganzen Schlamassel ins Rollen bringt: Als Pete seiner Frau während des Sex' unter Dusche gesteht, Viagra geschluckt zu haben, freut sich Debbie nicht wirklich über dieses "Geburtstagsgeschenk". Langsam entfaltet Apatow in der Folge den Familienalltag der beiden, sitzt ihnen doch nicht nur ihre scheinbar tief schlummernde Leidenschaft im Nacken, sondern werden die Beiden von der pubertierenden Tochter Sadie im ewigen Clinch mit der kleinen Schwester Charlotte oft vor unlösbare Aufgaben gestellt. Und dann ist da natürlich noch das liebe Geld: Petes Plattenlabel droht das Aus und in Debbies Boutique werden 12.000 Dollar vermisst.

Apatow gelingt es, Zweifel und Krisen alterslos erscheinen zu lassen, wobei er Stereotypen nicht nur gekonnt einsetzt, sondern so weit überzeichnet, dass sie schon wieder frisch wirken. Nicht verlassen hat ihn auch seine Vorliebe für Witze an der Grenze des guten Geschmacks, die er genüsslich ausreizt und übertritt.

Die Darsteller sind durchwegs großartig. Der stets liebenswürdige Rudd darf immer wieder aus der Rolle fallen, während Mann mit schriller Stimme und überdrehter Mimik wahre Glanztaten vollbringt. Der episodenhafte Charakter des Films bietet dann auch Platz für eine Vielzahl an schrägen Nebencharakteren, etwa Jason Segel als selbstverliebtem Fitnesstrainer, Albert Brooks und John Lithgow als problematische Väter des Paares sowie Chris O'Dowd, der schnauzbärtig auch mit wenigen Szenen sein Auskommen findet. Überstrahlt wird dieses Schaulaufen aber von Melissa McCarthy, deren engstirnige Mutterfigur eines Schulkollegen von Sadie den Vogel abschießt.

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