Im Zweifel schuldig

Dokumentation, A 2011
Marcus Wiggins sitzt seit 14 Jahren hinter Gittern

Marcus Wiggins sitzt seit 14 Jahren hinter Gittern

Das amerikanische Justizsystem hat einen durchaus zweifelhaften Ruf. Allein 2012 saßen laut dem Magazin "New Yorker" mehr Menschen unter US-Justizaufsicht als in den Gulags unter Stalin zum damaligen Höhepunkt - allein 30.000 Häftlinge davon zu Unrecht, schätzt das Center on Wrongful Convictions in Chicago. Einem dieser Fälle widmet sich die Dokumentation "Im Zweifel schuldig".

Marcus Wiggins wurde 1999 wegen Mordes zu 46 Jahren Gefängnis verurteilt, doch in der Nachverfolgung des Falls ergaben sich unzählige Widersprüche: Es gab keine Kugeln und keine Untersuchung am Tatort, ebenso keine Zeugenbefragungen, das Auto von Wiggins hatte eine andere Farbe, Marcus selbst ein Alibi. Für einen Antrag auf "actual innocence" reicht das jedoch nicht. "Es braucht weit mehr Beweise, um jemanden für nicht schuldig erklären zu lassen, als jemanden für schuldig zu befinden", erklärt der Direktor des Centers, Rob Warden.

Der deutsche Regisseur Axel Breuer und sein niederösterreichischer Produzent Florian Gebhardt wählen einen Stil ähnlich einer Reality TV-Serie und begleiten fünf Jus-Studenten der Northwestern University durch ihr Praktikum an dem Institut. Ihre Erfahrungen sprechen sie am Abend in ihre eigenen Heim-Kameras, womit zwar ständige Interview-Szenarien vermieden werden. Das Format neigt allerdings dazu, sich dem Thema reißerischer anzunähern, als es für einen Dokumentarfilm (Originaltitel "Heroes for a Semester"!) gut wäre.

Spannend ist der Film dennoch, was nicht zuletzt an dem Justizskandal liegt, der porträtiert wird. Wie sich im Laufe der Doku herausstellt, wurde Marcus Wiggins als 13-Jähriger von der rassistischen Polizei gefoltert. Seine Klage war erfolgreich, wichtige Personen mussten ihre Posten räumen. Den Verdacht einer Racheaktion bestätigt letztendlich sogar ein ehemaliger Zeuge gegen Wiggins, der eidesstattlich erklärt, dass ihn die Polizei einst im Gerichtsverfahren unter Druck gesetzt hat, um Marcus als Täter zu identifizieren.

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