Im Labyrinth des Schweigens

D 2014
Staatsanwalt Radmann hat viel Arbeit vor sich

Staatsanwalt Radmann hat viel Arbeit vor sich

Die Frankfurter Auschwitzprozesse sind in die deutschen Geschichtsbücher eingegangen - und fristen dort ein ihrer Bedeutung unangemessenes Schattendasein. Der gebürtige Italiener Giulio Ricciarelli nimmt sich mit seinem Spielfilmdebüt "Im Labyrinth des Schweigens" nun dieses Kapitels an und inszeniert einen Justizthriller mit gesellschaftspolitischem Anspruch.

1958 beginnt der (fiktive) Staatsanwalt Johann Radmann (Alexander Fehling) seine Karriere in Frankfurt. Er wird auf den Journalisten Thomas Gnielka (Andre Szymanski) aufmerksam, dessen Freund Simon Kirsch (grandios: Johannes Krisch) einen ehemaligen Auschwitz-Wärter als Lehrer wiedererkannt hat. Da sich im Wirtschaftswunderdeutschland niemand sonst des Falles annimmt, beginnt Radmann mit Deckung des (legendären und realen) Generalstaatsanwalts Fritz Bauer (Gert Voss) seine Ermittlungen.

Er muss sich dabei gegen Unkenntnis, Ignoranz und Verleugnung durchsetzen, ist der Begriff "Auschwitz" in diesen Jahren in der breiten Öffentlichkeit noch unbekannt. Radmann stürzt sich als Vertreter der jungen Generation hingegen in die Zeugensuche, das Aktenstudium und verzweifelt daran beinahe, worunter auch seine frische Romanze mit Marlene Wondrak (Friederike Becht) zu zerbrechen droht.

Am Ende dieses Kampfes saßen jedoch ab 1963 zunächst 22 Männer auf der Anklagebank, die als Mitglieder der Wachmannschaften in Auschwitz mitverantwortlich für den millionenfachen Mord an Juden, Behinderten, Sinti und Roma gewesen waren. Die Nürnberger Prozesse hatten die Alliierten gegen die NS-Spitze geführt, die Frankfurter Gerichtsverfahren waren hingegen die ersten, bei denen sich die deutsche Justiz selbst mit den Gräueltaten der Nationalsozialisten in den Konzentrationslagern flächendeckend auseinandersetzte. Nicht zuletzt ob dieser Prozesse wurde Auschwitz zum Synonym für den Horror des NS-Staates.

Ricciarelli setzt in "Im Labyrinth des Schweigens" dabei radikal auf den Blick der nachwachsenden Generation, die sich mit Bowle und Petticoats gegen das verschmockte Nachkriegssystem ihrer Eltern auflehnt. Auch wenn "Im Labyrinth des Schweigens" Pathos nicht immer vermeiden kann, differenziert der Film in den entscheidenden Fragen durchaus, pauschalisiert nicht.

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