Im Keller

Dokumentation, A 2014
Im Keller geht so einiges vor sich

Im Keller geht so einiges vor sich

Wenn es im Haus schon lange dunkel ist, brennt im Keller noch immer das Licht. Hier wird gefeiert und getrunken, trainiert und diskutiert, verehrt und versteckt. Nicht zuletzt die Kriminalfälle um Natascha Kampusch und Josef F. haben weltweit die Frage genährt, was sich in den österreichischen Souterrains so abspielt. Regisseur Ulrich Seidl gibt in seiner Dokumentation "Im Keller" die Antwort.

Da wird im großen Gewölbe geschossen und gesungen, dort werden im kleinen Kellerabteil Schachteln mit täuschend echten Babypuppen gehortet, wo anders sitzen Blasmusiker in geselliger Runde inmitten von NS-Devotionalien, während in anderen Untergeschoßen sexuelle Fantasien ausgelebt werden. Der Keller als Ort des Heimeligen und Unheimlichen, des Privaten und des Verborgenen, des individuellen und des kollektiven Rückzugs.

In den kleinen Ausschnitten unterschiedlicher Lebenswelten spiegeln sich dabei immer auch die großen Themen der Menschheit: Es geht um Wünsche und Sehnsüchte, um Obsessionen und Bedürfnisse, um die "Rituale von Leben und Tod", wie es der Filmessayist Olaf Möller in seinem Begleittext zur Doku formuliert. "Im Keller spürt man alles", sagt einer der Blasmusiker und vermittelt damit einen Eindruck dessen, welchen Stellenwert der Keller für die österreichische Seele eingenommen hat.

In schön kadrierten Tableaus von Martin Gschlacht, der den Film auch koproduzierte, beobachtet und inszeniert Seidl, ohne zu werten oder seine Protagonisten zu verurteilen. "Jeder von uns hat seine Ängste und Abgründe", sagt Seidl im Presseheft. "Mir geht es nie darum, die Wirklichkeit abzubilden, sondern aus der vorgefundenen Wirklichkeit den eigenen Blick zu finden. Damit zeige ich meinen Blick auf die Welt." Beständig herrscht das fragende Gefühl vor, ob man eigentlich so genau wissen wollte, was sich in den heimischen Kellern wirklich abspielt. "Im Keller" ist präzise gearbeitet, mit Humor unterfüttert und nicht immer leicht verdaulich. Und genau deshalb ein hervorragender Film, der bei den 71. Filmfestspielen von Venedig präsentiert wurde.

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