Il Divo

Drama, I/F 2008
Toni Servillo als als Giulio Andreotti

Toni Servillo als als Giulio Andreotti

"Ich habe Humor, und ich habe ein großes Archiv", sagt Giulio Andreotti in Paolo Sorrentinos Film "Il Divo". Angeblich hat der neapolitanische Regisseur dem Politiker und Senator auf Lebenszeit ursprünglich versprochen, die Biografie erst nach seinem Ableben zu veröffentlichen. In Cannes erhielt "Il Divo" im Vorjahr den Preis der Jury. Und Andreotti, mittlerweile 90 Jahre alt, lebt immer noch.

"Alle haben mir immer prophezeit, ich werde es nicht überleben, doch nun sind sie alle tot", stellt der Politiker, gespielt von Toni Servillo, im Film fest. Er meint damit etwa den Mafiajäger Giovanni Falcone. Andreotti wurden immer wieder Mafiakontakte nachgesagt, mit dem bekannten sizilianischen Mafiaboss Salvatore "Toto" Riina, der Falcone ermorden ließ, soll er sich regelmäßig getroffen haben. Hauptdarsteller Toni Servillo wird beim diesjährigen Filmfestival in Locarno (5. bis 15. August) den Excellence Award erhalten - für seine gesamten schauspielerischen Leistungen, die er auch in "Il Divo" unter Beweis stellt.

Der Film ist eine Politsatire in mehreren Akten, in den Dialogen werden einzelne Episoden erzählt oder angedeutet, die Andreottis Amtszeit geprägt haben. Doch was auch immer Andreotti nachgesagt wird, er hält sich mit stoischer Ruhe an der Macht. Eine Systematik, die man auch bei einem seiner ehemaligen Freimaurer-Kollegen der P2 erkennt: beim jetzigen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi.

Dass Italiens siebenmaligem Regierungschef Giulio Andreotti ein ganzer Film gewidmet wird, liegt fast auf der Hand. Denn wie kaum ein anderer Spitzenpolitiker in Europa hat er politische Höhenflüge und steile Abstürze erlebt. Der Senator auf Lebenszeit, der über 40 Jahre lang die Geschicke Italiens lenkte und die einflussreichsten Posten in der römischen Politik besetzte, hat nicht nur vier Jahrzehnte lang die politische Szene zutiefst geprägt: In den letzten Jahren war er auch immer wieder Symbol von Italiens korrupter ersten Republik (1948-1994) und deren engen Verstrickungen mit der Mafia.

Ein Thema, dass das italienische Kino in den letzten Jahren vermehrt aufgreift. So gehört auch "Il Divo" zu den erfreulicheren Beispielen des italienischen Gegenwartskinos, das kritisch, unterhaltsam und satirisch sein kann.

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