Iklimler

Drama/ , TR/F 2006
Stimmungsbarometer einer Entfremdung

Stimmungsbarometer einer Entfremdung

Wer Orhan Pamuks "Istanbul. Erinnerungen an eine Stadt" gelesen hat, weiß, dass es eine typisch türkische Melancholie gibt und auch ein eigenes Wort für dieses schwermütige Lebensgefühl. Ein Meisterregisseur dieses "Hüzün" ist Nuri Bilge Ceylan, der in "Iklimler" (Jahreszeiten) mit förmlich körperlicher Intensität von der Entfremdung eines Paares erzählt.

Als nationale Mentalität wird "Hüzün" vor dem Hintergrund des Verlusts historischer Größe gesehen, als individuelle Gestimmtheit meist in Verbindung mit Liebeskummer. Beides fällt in der Anfangsszene von "Iklimler" zusammen. Der Archäologieprofessor Isar und seine Frau Bahar, eine Fernsehproduzentin - dargestellt vom Regisseur selbst und seiner Frau Ebru - stehen inmitten von Ruinen und zugleich vor den Trümmern ihrer Beziehung. Er fotografiert die Monumente, während sie sich zurückzieht um zu weinen - ohne dass er es überhaupt bemerkt.

Über die Ursachen der Entfremdung wird nicht viel geredet, sie manifestiert sich vielmehr eben in der Sprachlosigkeit des Paares, in der drückenden Schwere, die über den Szenen lastet, der Spannung und der unterschwellig brodelnden Aggression, die immer wieder überraschend ausbricht. Zugleich findet das Erkalten der Gefühle seine Entsprechung im Wechsel der Jahreszeiten. Im Sommerurlaub schlägt Isar seiner Gattin die Trennung vor, im Winter reist er ihr von Istanbul zu Dreharbeiten aufs Land nach und unternimmt einen verspäteten und halbherzigen Versuch, sie wieder zurück zu gewinnen.

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