Ich seh Ich seh

Drama/Horror, A 2014
Ist sie doch nicht die Mutter von Elias und Lukas?

Ist sie doch nicht die Mutter von Elias und Lukas?

Eine Frau kehrt nach einer Gesichts-OP nach Hause zurück. Mit dem Kopfverband sieht sie Furcht einflößend aus, sie verlangt absolute Stille - und ihre Zwillinge sind sich bald sicher, dass es sich bei ihr nicht um ihre Mutter handeln kann. "Ich seh Ich seh" von Veronika Franz und Severin Fiala ist feinstes Genrekino.

Nach ausgiebigem Spiel in den Maisfeldern und im Wald fühlen sich die Brüder in dem großen Haus in der Provinz zunehmend eingesperrt und missverstanden. Bald erwacht Misstrauen, die Frau mit der Maske wirkt so überhaupt nicht wie die liebevolle Frau, auf die sich die Buben gefreut haben. Ein böser Verdacht festigt sich: "Das ist nicht unsere Mutter." Bald häufen sich die gruseligen Momente: eine tote Katze, die im Terrarium konserviert wird, eine Kakerlake, die in den Mund kriecht, beklemmende Albträume.

Franz und Fiala spinnen von Beginn an ein engmaschiges Netz subtiler Horrorelemente, die sich langsam, aber sicher steigern. Die Anspannung ist durchgehend spürbar. Dass etwas passieren könnte, liegt in der Luft. Wie das Regieduo im seinem Spielfilmdebüt gekonnt die Klaviatur des Körperhorrors zu bedienen weiß, ist nicht nur faszinierend, sondern phasenweise auch richtig verstörend. So manche Szene fährt dem Zuseher tief in die Knochen.

Eingerahmt von bekannten Kinderliedern und stets aus der Perspektive der beiden Kinder erzählt, spielt der Film mit Ungewissheiten in einem Vertrauensverhältnis, das üblicherweise als eines der stärksten gilt: jenes zwischen einer Mutter und ihren Kindern. Susanne Wuest liefert in der Hauptrolle eine formidable Leistung, und die Zwillinge Elias und Lukas Schwarz (die im Film ihre echten Vornamen behielten) bilden ein ideales Kinderpaar.

Schon bei der Doku "Kern" über den Regisseur und Schauspieler Peter Kern haben Franz und Fiala unter Beweis gestellt, wie gut sie hinter der Kamera harmonieren. "Wir arbeiten als Duo, weil wir gemeinsam besser sind", formulieren die Lebensgefährtin und der Neffe von Ulrich Seidl, der den Film mit seiner Firma produziert hat, im Presseheft. Für die grandiose Kamera zeichnet Martin Gschlacht verantwortlich, der auch für Seidls Doku "Im Keller" (ebenfalls in Venedig) die Bilder gestaltete.

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