Ich muss dir was sagen

Dokumentation/ , A 2006
Das Leben mit einem gehörlosen Kind

Das Leben mit einem gehörlosen Kind

Am Anfang des Kinos stand das Bild, nicht der Ton, und die frühesten Filmdramen lebten von der Kraft der Gebärde. Daran mag auch ein österreichischer Film aus dem Viennale-Programm erinnern, der einen Blick in die Welt der Gehörlosen wirft: Martin Nguyens engagierte Dokumentation "Ich muss dir was sagen".

Der Film schildert das Leben einer Familie mit einem gehörlosen Kind. Ein Jahr lang hat Nguyen den vierjährigen von Geburt an tauben Oskar, seinen Zwillingsbruder Leo und deren Eltern begleitet. Die Doku macht die Entwicklung vom anfänglichen Schock und der Trauer der Eltern zu einem positiven Umgang mit der Eigenheit des Kindes nachvollziehbar, die man auch nicht um den Preis einer riskanten Operation der Norm anpassen will.

Seine Horrorvorstellung sei gewesen, ein Kind zu haben, mit dem man sich nicht verständigen kann, erzählt der Vater. Doch die Szenen aus dem Familienalltag, die im Mittelpunkt des zur Gänze für Gehörlose untertitelten Films stehen, zeigen mit welcher verblüffenden Selbstverständlichkeit die Kommunikation in der Familie funktioniert. Alle gemeinsam lernen Gebärdensprache - für Oskar ist es die einzige Ausdrucksform, Leo und die Eltern kombinieren sie mit der gesprochenen Sprache. Und ihre Unterhaltungen haben einen ganz eigenen Schauwert.

Dabei gibt es - nicht nur beim Gebärdensprachlehrer, der virtuos das Erzählen von Gehörlosen-Witzen unterrichtet - auch viel zu lachen, zumal die Sandkastenzores der Zwillinge oder die Dramen am Esstisch nicht anders sind als bei "normalen" Kindern. Nguyen ist mit seinem ersten Langfilm, einem einstündigen Video, ein einfühlsames Porträt einer Familie gelungen, die mit ihrem liebevollen Umgang und ihrer Stärke berührt und Mut macht.

Neben der Behinderungs-Problematik macht der 1980 in Pulau Bidong geborene Regisseur auch subtil herkömmliche Wahrnehmungsmuster und Hierarchien bewusst. Da klopft etwa Oskar während einer Zugfahrt vom Gang aus an die geschlossene Abteiltür. Und die erwachsenen Reisenden bedeuten ihm "Leise!"...

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