Ich habe den englischen König bedient

Komödie/Romanze, CZ/SK 2006
Julia Jentsch und ihr geliebter Opportunist

Julia Jentsch und ihr geliebter Opportunist

Österreichs Fans des tschechischen Star-Regisseurs Jiri Menzel mussten zwei Jahre auf dessen aktuellen Streifen warten. Dabei erzählt der Oscar-Preisträger eine geradezu "österreichische" Geschichte. Die des kleinwüchsigen Jan Dite, der mit seiner Liebe Lisa (Julia Jentsch) auf der Jagd nach Wohlstand ist und sich dafür zunächst den Nazis und dann den Kommunisten andient.

Schon im Februar 2007 war die melancholische Komödie "Ich habe den englischen König bedient" auf den Internationalen Filmfestspielen Berlin gezeigt und dort mit dem Preis der Internationalen Filmkritik ausgezeichnet worden. Im Zentrum des turbulenten Geschehens steht der kleinwüchsige Prager Jan Dite, in jungen Jahren gespielt von Ivan Barnev, im Alter von Oldrich Kaiser. Jan beginnt in den 1930er Jahren in Prag als Aushilfskellner und träumt vom Leben als Millionär. Dem Traum kommt er sehr nah. Doch als er gegenüber den Nazis seine Liebe zur Sudentendeutschen Lisa (Julia Jentsch) verteidigt, platzt zunächst alle Hoffnung.

Erst der so genannte Ariernachweis lässt ihn weiter nach oben klettern, diesmal als Chef eines Hauses, das der Züchtung rassereiner Deutscher dient. Dank Julia, einer üblen Getreuen der Faschisten, kommt sogar Geld ins Haus. Mit dem Ende des Krieges könnte es nun endlich klappen, als Hotelier Furore zu machen. Doch der Sozialismus hat keinen Sinn für Luxus. Jan wird wieder einmal schwer auf die Nase fallen.

Menzel ist mit der Adaption des Romans seines 1997 verstorbenen Freundes Bohumil Hrabal ein wahres Kino-Kleinod gelungen. Die in Rückblenden erzählte Schelmenkomödie entwirft ein facettenreiches Bild der europäischen Geschichte des vergangenen Jahrhunderts. Menzel beschreibt es so: "Hier haben wir die seltene Möglichkeit, lachend über den Wert von Moral, von moralisch einwandfreiem Verhalten nachzudenken." Das tut er in seiner Filmversion des Buches brillant mit bitterbösem, schwarzem Humor. Und neben dem kraftvollen politischen Gehalt fasziniert der Film durch seine opulente visuelle Gestaltung.

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