Ich, einfach unverbesserlich 3

Action/Abenteuer, USA 2017

Die Minions fast völlig aus der Geschichte verbannt

Ex-Schurke Gru verliert seinen Job und die Minions, bekommt dafür jedoch einen tollpatschigen, aber reichen Zwillingsbruder. Ob das gutgehen kann?

Wenn eine Kinoreihe ihren dritten Teil erreicht, lohnt sich ein kleiner Blick zurück - in diesem Fall ganz besonders: Im Jahr 2010 betrat ein Held das Animationsgenre, der eine der radikalsten Entwicklungen überhaupt durchmachen durfte. Gru (im Original gesprochen von Steve Carell) ist ein finsterer Geselle, der nur ein Ziel hat: der größte Schurke aller Zeiten zu werden. In seiner düsteren, aber genialen Behausung, die er sich mit seinen unverständlich brabbelnden Gehilfen, den zahllosen Minions, und dem greisen Forscher Dr. Nefario teilt, arbeitet er daran, den Mond zu stehlen. Das würde ihn auf ewig zur Nummer 1 und seine Mutter endlich stolz auf ihn machen.

Doch als ihm ein launiges Schicksal die drei kleinen Waisenmädchen Margo, Edith und Agnes in die Pläne kegelt, wird alles anders. Erst versucht er, sie für seine Vorhaben einzusetzen, dann gewinnt er sie widerwillig so lieb, dass seine guten Seiten zum Vorschein kommen. In Ich, einfach unverbesserlich 2 2013 findet der geläuterte Superschurke dann nach wilden Kämpfen gegen den einstigen Kollegen El Macho und mutierte Monster-Minions seine große Liebe in Gestalt der etwas überdrehten Topagentin Lucy. Und schließlich bekamen 2015 auch die Minions ihren eigenen Film.

Spaßfaktor: Hoch!

Eigentlich liefe es bei der neuen, seltsamen Patchwork-Familie ganz gut, sieht man davon ab, dass Lucy sich in ihrer neuen Rolle als Dreifachmami nicht ganz so leicht tut. Aber dann schlägt das Schicksal in Form von Balthazar Bratt zu. Der war in den 80er-Jahren ein Kinderstar mit einer trashigen TV-Serie als laseräugiger Schurke, kam aber nicht mehr aus seiner Rolle raus. Und jetzt, Jahrzehnte später, ist er wieder da. Visuell ist er eine kühne Mischung aus Austrofred, Weird Al Yankovic und dem Aerobic-Outfit von Jane Fonda aus dem Jahr 1982. Trotzdem schafft er es, Gru und Lucy zu überrumpeln und vor ihren Augen den größten und wertvollsten Diamanten der Welt zu stehlen.

Beide werden von der Anti-Verbrecher-Liga (AVL) gefeuert und stehen vor der Pleite, und auch die Minions ziehen unzufrieden ab. Da kommt die nächste Überraschung: Ein seltsamer Herr namens Fritz behauptet, dass Gru einen Zwillingsbruder mit dem Namen Dru habe. Und dieser würde seinen Bruder samt Familie gerne kennenlernen. Tatsächlich stellt sich heraus, dass bei der Scheidung von Grus exzentrischen Eltern (Mama ein gewissenloses Luxusweib, Papa ein Schurke) jeder einen Sohn behalten hat. Dru ist in einem seltsamen kleinen Küstenstaat, der von Schweinen und Käse besessen ist, reich geworden. Als Gru ihn samt Familie besucht, kippt die Anfangsfreude sofort in Eifersucht: Dru hat wallendes Blondhaar (da haben die Designer möglicherweise bei Hansi Hinterseer ein paar Anleihen genommen), einen schweinchenrosa Palast wie drei Denver-Clans auf einmal und eine Sportwagensammlung à la Jay Leno.

Doch auch er hat heimlich ein schweres Päckchen zu tragen: So gerne wäre er ein Superschurke geworden wie der Vater. Gru soll seinem überdrehten Bruder die Chance auf einen großen gemeinsamen Coup geben. Erst zögert der erfahrene, geläuterte Profi, doch dann ist ihm klar: Er wird sich mithilfe seines Zwillings und dessen verrückter Gadgets den größten Diamanten der Welt zurückholen, damit Lucy und er rehabilitiert sind und ihre Jobs wiederbekommen. Klar, dass dieses doppelte Spiel nicht ohne innerfamiliäre Folgen bleiben kann.

Rasant und grellbunt!

Für Universal Pictures erwiesen sich die von der französischen Trickschmiede Mac Guff produzierten Filme als Gelddruckmaschine: Das Original schaffte global eine halbe Milliarde Dollar, die Fortsetzung kratzte mit 970 Millionen knapp am zehnstelligen Umsatz - und der Minions-Solofilm übersprang die prestigeträchtige Hürde sogar und wurde weltweit zum Super-Renner, auch in Österreich. Kein Wunder also, dass nun in den vierten Gang geschaltet wird.

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