Holz Erde Fleisch

Dokumentation, A 2016

Wie wird es mit dem Bauernstand weitergehen?

Dokus über Landwirtschaft und Ernährung haben sich zu einer heimischen Spezialität entwickelt. Der Steirer Sigmund Steiner geht es in "Holz Erde Fleisch" (Diagonale-UA) weniger global an: Gemüse-, Wald-, Schafbauer, zwei Generation sind am Wort. Der Film nähert sich nicht nur dem Verhältnis zwischen Alt- und Jungbauer an - am Ende meint man auch als Stadtmensch, einiges nachvollziehen zu können.

"Bis heute frage ich mich, wie man Familienbesitz über Familie stellen kann. Oder ob man's auch anders machen kann", stellt sich Steiner zu Beginn selbst die Frage, als die größte Sorge seines Vaters war, dass durch die Scheidung von seiner Frau der jahrhundertealte Besitz geschmälert werden könnte. Dominik Hertl, Sohn eines Erdäpfelbauern und mit sich selbst noch nicht im Klaren, ob er den Hof übernehmen soll, beantwortet die Frage etwas ausweichend: "Grund ist mir nicht so wichtig. Ich hab' allerdings Freunde, die schauen schon, welche Frau zum Heiraten viel Grund hat". Das sei nichts für ihn, das sei "1930er-Jahre".

Sein Vater macht sich generell Sorgen um Agrarwirtschaft und Ernährung und Lebensmittel: "Wenn dich der Boden nicht interessiert, hat das alles keinen Sinn. Dann geht alles zu Ende. Meine Woche ist erst am Samstag um sieben Uhr am Abend zu Ende. Ich versteh' schon, wenn man's nicht machen will. Aber wer deckt denn dann den Tisch?" und wendet sich wieder ab von der Kamera und schlurft wachen Auges durch die Erdäpfelpflanzen und rupft Unkraut aus.

Der 72-Minuten-Streifen beginnt mit dem Alltag der Höfe, der für der Landwirtschaft ferne Menschen wohl verstörend wirken mag: Sanft nimmt der Bauer das Schaf zwischen die Beine, streichelt es, setzt den Schlachtschussapparat an. Lange hält er das dann durch Kehlenschnitt ausblutende Tier noch fest, fast liebevoll, und murmelt: "Ich danke dir." Um später zu sagen, man habe es ja oft beim Vater gesehen, aber: "Das erste Mal selber ein Tier töten, da haben mir die Knie geschnackelt."

Beim Arbeiten im Forst und beim Ansitz in der Dämmerung räsoniert der junge Waldbauer über Verantwortung in seinem Beruf im einzelnen und über große Zusammenhänge: "Es gibt Sachen, die kannst nicht delegieren, wie anderswo. Wennst einem Kitz im Feld unabsichtlich die Füße abmähst, dann muss halt einer ein Eisen nehmen und den Schädel einschlagen. Es ist brachial, es ist grauslich, aber es nutzt nichts, das kannst du nicht delegieren." Und ein kontroverser Gedanke von hoher Aktualität, um von der Gesellschaft vorgegebene "Standards" zu beleuchten: "Manche Tiere haben mehr Platz in den Ställen als eine afghanische Familie in einem Auffanglager."

Ein Fazit der unaufgeregten Doku in sanften Bildern über Verantwortung, Loyalität und Erwartungen unter Bauernfamilien gibt der Obersteirer Steiner schon mitten im Streifen: "Vielleicht ist zwischen Filmarbeit und Holzarbeit im Wald kein so großer Unterschied. Rausschneiden, damit anderes Platz zum Wachsen hat."

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