Hirngespinster

Drama, D 2014
Vater Hans leidet unter Schizophrenie

Vater Hans leidet unter Schizophrenie

Jugend zwischen Wahn und Normalität: "Hirngespinster" erzählt von Simon, dessen Vater schizophren ist. Tobias Moretti und Jonas Nay spielen die Hauptrollen in dem einfühlsamen Familiendrama über Identität, Liebe und Erwachsenwerden.

Simon (Nay) steht vor einem Dilemma: Soll er wie bisher versuchen, die Familie zusammenzuhalten und seiner acht Jahre alten Schwester einen erträglichen Alltag zu ermöglichen? Oder sollte er mit 22 Jahren nicht endlich sein eigenes Leben führen? Statt zu studieren, arbeitet er als Busfahrer für Schulkinder. Er will bereit sein, wenn sein Vater Hans (Tobias Moretti) wieder einen psychotischen Schub bekommt. Lange ging es gut. Doch als ein Nachbar eine Satellitenschüssel installiert, bricht alles zusammen. Der Vater fühlt sich durch Strahlen manipuliert, verstrickt sich in Angst und Wahn und rastet schließlich aus. Für Simon wird alles unwichtig - Studium, Freunde und die zarte Liebe zu der Medizinstudentin Verena, die ihn mit einer schlichten Frage zum Nachdenken bringt: "Und, was hoffst du für dich?"

In Filmen über psychische Krankheiten geht es meist um die Betroffenen - ihre Wahrnehmungen, Wahnvorstellungen, Ängste. Beispiele sind "A Beautiful Mind", "Fight Club" oder "Ich hab' dir nie einen Rosengarten versprochen". Regisseur Christian Bach nähert sich diesem Thema aus einer anderen Perspektive. Es ist eine sehr persönliche Geschichte für den Regisseur, beruht sie doch in Grundzügen auf den Erlebnissen eines Jugend-Freundes. Deshalb stand für ihn fest, wie er den Film erzählen wollte: stringent aus der Perspektive des Sohnes und nicht aus der wahnhaften Sicht des Vaters.

Tobias Moretti und der 24-jährige Jonas Nay brillieren als Vater und Sohn in diesem einfühlsam inszenierten Familiendrama, das durch seine schlichte Erzählweise eine große Wucht entfaltet und dennoch nicht erdrückend wirkt, da immer wieder auch Raum ist für Leichtigkeit und bisweilen etwas absurden Humor. "Hirngespinster" ist deshalb nicht nur Drama, es ist auch eine anrührende Coming-of-Age-Geschichte und eine Plädoyer für die Liebe, in guten und erst recht in schlechten Zeiten.

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