Herzen

Drama/ , F/I 2006
Alain Resnais macht Utopien wahr

Alain Resnais macht Utopien wahr

Zum zweiten Mal nach den Filmen "Smoking/Non smoking" hat der französische Altmeister Alain Resnais mit seinem jüngsten Werk "Herzen" ein Stück des britischen Dramatikers Alan Ayckbourn verfilmt. Diesmal hat Resnais, dessen erste Arbeit "Hiroshima mon amour" 1959 für einen Oscar nominiert war, den Stoff jedoch nach Paris übertragen, wo er seine hoffnungslos einsamen Figuren zueinander finden und wenig später wieder auseinander driften lässt.

In "Herzen" zeichnet Resnais ein erschütterndes, immer wieder ins Surreale gleitendes Bild von sechs Erwachsenen, die neben der Erfüllung im Beruf nach Nähe suchen - und daran scheitern. Auch diesmal greift er wieder auf sein bewährtes Ensemble zurück, mit dabei sind Sabine Azéma, Pierre Arditi, Lambert Wilson und André Dussollier. Alles dreht sich um die fragile, hoch religiöse Sekretärin Charlotte (Azéma), die ihrem Chef, dem Immobilienmakler Thierry (Dussollier) eine Videokassette mit ihrer Lieblingssendung leiht. Als das Programm zu Ende ist, macht er eine überraschende Entdeckung: Lasziv tanzt die sonst so graue Maus in Dessous vor der Kamera. Thierry wertet dies als Annäherungsversuch, die Spirale beginnt sich zu drehen.

Unaufdringlich bringt Resnais seine Protagonisten, die durch das Pariser Schneegstöber wandeln, miteinander in Beziehung. So trifft Thierry auf die karrierebewusste Nicole (Laura Morante), die für sich und ihren arbeitslosen Verlobten Dan (Lambert Wilson) eine Dreizimmerwohnung sucht, da Dan auf ein Arbeitszimmer besteht. Hier beginnt Resnais, der sich selbst in Interviews nicht als Vertreter der "Nouvelle Vague" bezeichnet haben will, das Genre aufzubrechen. Aus der Vogelperspektive lässt er Nicole durch die deckenlosen Zimmer streifen, was die Kulisse als solche entdeckt und zu einem Sinnbild für die Künstlichkeit macht, in der die Personen ihr Leben fristen. Für das Werk, das immer wieder starke Anleihen aus dem Theater aufweist, hat er 2006 in Venedig den Silbernen Löwen für die beste Regie erhalten.


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