Herzausreisser - Neues vom Wienerlied

Dokumentation, A 2008
Das lieblich böse Wienerlied als Film

Das lieblich böse Wienerlied als Film

"I liassert Kirschen für di wachsen ohne Kern" - so klingt das, wenn der Wiener Liebeslieder dichtet. Doch das tut er selten. Lieber betätigt sich seine Musik als "sanfter Obezahrer", wie prominente Stimmen und Gesichter des Wienerliedes in Karin Bergers Dokumentation "Herzausreisser - Neues vom Wienerlied" nicht nur in Interviews, sondern auch in vollständigen Musikstücken erzählen.

Also keine weitere historische Aufarbeitung, keine Abhandlung über Schubert und Lanner, über Hans Moser und Helmut Qualtinger? Zumindest nicht in der Hauptsache. Dass alle Genannten trotzdem ein Plätzchen finden, ist nicht zuletzt den aktuellen, neuen, aktiven Wienerlied-Protagonisten zu verdanken, die auf sie verweisen, manchmal bewundernd, manchmal augenzwinkernd, immer weiterentwickelnd. Und auch ihre liebe Not haben sie manchmal mit der Tradition. "Die Texte sind schon furchtbar altvaterisch", klagt etwa Doris Windhager. "Ständig geht's ums Weinderl". Aber der Klang des Dudlers - "ein verfeinerter Jodler" - und das Schmalz - "die Fettn fürs Kugellager" - entschädigen für Manches.

"Ich kenne keine andere Musik, die so leicht ins Unerträgliche kippt", konstatiert Roland Neuwirth, dessen starker Präsenz der Film viel zu verdanken hat. Da fließt sie zusammen, die "akustische Watschn" neuer Texte und die musikalische Liebe zu den Wurzeln, der Blues und das Schrammeln, der skurrile Schmäh und die zärtliche Nachsichtigkeit. Und bei Neuwirth und seinen "Extremschrammeln" laufen auch die Geschichten einzelner Musiker zusammen - die oft zeigen, wie weit der Weg nach Wien sein kann und wie notwendig er über Ausnahmepersönlichkeiten wie Neuwirth gehen musste. Ziehharmonika-Virtuose Walther Soyka etwa, der mit dem Wienerlied an sich so wenig zu tun hat wie sein Zither-Kollege Karl Stirner mit der so genannten "geriatrischen Spielweise" seines Instrumentes.

Auch die "Strottern" oder das "Kollegium Kalksburg" haben ihren Weg zum Wienerlied nur gefunden, weil sie es sich rücksichtslos zu eigen gemacht haben. Die Suche nach dem Verwertbaren und Erträglichen im Althergebrachten ist vielleicht das Gemeinsame aller porträtierten Künstler, auch und gerade der "Veteranen" wie Karl Hodina, Oskar Aichinger oder Ernst Kölz. "Der Tod ist oft dabei", erzählt letzterer, der auch einige seiner Artmann-Vertonungen zum Besten gibt. Nur dass es für die Wiener einen extra Himmel gibt, "wie ein riesiger Heuriger". Auch dass der Wiener im Dreiviertel-Takt spricht, mag man für eine nostalgische Mär halten. Doch von ihnen bleibt hier nur ein zarter, bittersüßer Nachgeschmack. Denn statt kurze musikalische Auszüge um süßliche Anekdoten zu ranken, hat Karin Berger vollständige, für sich selbst stehende Wiener Musik in den Mittelpunkt gestellt.

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