Hellboy - Call of Darkness 4D

Fantasy, USA 2019

Hellboy - Call of Darkness 4D

Red is back: Ein Superheld der etwas anderen Art meldet sich jetzt zurück zum Dienst. Regisseur Neil Marshall spendiert seiner Hellboy-Version eine Extraportion Blut – aber ist das nötig?

Ein Blick in die cineastische Vergangenheit des Comic-Antihelden Hellboy ist bei diesem Reboot unabdingbar. Nicht etwa, weil die beiden Adaptionen Hellboy (’04) und Hellboy – Die goldene Armee (’08) aus der Feder von Regiezauberer Guillermo del Toro solche Wunderwerke wären – was im Jahr 2019 rückblickend auf den damaligen Stand der Technik auch nicht ganz fair ist –, sondern weil ein ambitioniertes Team für rund 150 Millionen Dollar (Budget beider Filme zusammen) einer Bilderbuchfigur zum Sprung auf die große Leinwand verhalf, die damals nur eingefleischten Nerds ein Begriff war. Heute kennt man den roten Halbdämonen auch außerhalb der Szene und erwähnt ihn im selben Atemzug wie Batman, Iron Man und die Ninja Turtles. Geschuldet wird dieser Fakt zu einem Gutteil auch der einmaligen Besetzung des Protagonisten: Ron Perlman, den man für diese Rolle nicht in den Ganzkörperanzug quetschen, sondern nur rot anmalen musste.

Vom bunten Comic wieder ins Kino – ein zweiter Anlauf

In der Gegenwart ist von diesem Zauber wenig bis gar nichts mehr übrig. Hinter den Kulissen tobte zuletzt ein Rosenkrieg zwischen der Regie und Comic-Schöpfer Mike Mignola, der von del Toros Visionen – allen voran dessen Quasi-Alleingang im zweiten Teil, dem tatsächlich keine Mignola-Comicvorlage zugrunde lag – alles andere als angetan war und der sich bei der Verwirklichung des von Fans so sehnlich gewünschten dritten Teils querstellte. Der Posten hinter der Kamera sollte neu besetzt werden, del Toro in die Riege der Produzenten wechseln – was natürlich auch seinem Kumpel und Hauptdarsteller Perlman nicht schmeckte. Zig angefressene Social-Media-Postings später machte sich Mignola 2014 schließlich daran, die Pläne einer Fortsetzung über Bord zu werfen und ein Reboot seiner erfolgreichsten Kreation in die Wege zu leiten. Neil Marshall – bekannt für seine Gruselschocker Dog Soldiers (2002) und The Descent –Abgrund des Grauens (2005) sowie vereinzelte Episoden der Serien Game of Thrones, Hannibal und Westworld – wurde ins Boot geholt und damit beauftragt, dem roten Höllenburschen zum Neustart zu verhelfen. Gemäß dem Zeitgeist entstand dabei Hellboy: Call of Darkness – ein wüster Mix aus Dark-Fantasy, Action und Horror, lose basierend auf den zum Kult erkorenen Mignola-Geschichten Ruf der Finsternis, Die wilde Jagd und Der Sturm, der vor Brutalität nur so strotzt und dabei leider nicht mal ansatzweise Charme versprüht.

Ebenfalls neu dabei ist Stranger-Things-Sheriff David Harbour, der wortwörtlich in große Fußstapfen tritt und Ron Perlman als Hauptakteur beerbt. Schon im Vorfeld machte sich negative Stimmung unter den Liebhabern der Originalteile breit, doch schon nach den ersten Trailern verstummten die bösen Zungen. Immerhin kann der 43-jährige New Yorker nichts dafür, über Nacht seine bislang größte Schauspielrolle ergattert zu haben, und er gibt sich redlich Mühe, es mit „seinem“ Hellboy allen recht zu machen. Und trotz beachtlichem Training mussten die Maskenbildner in seinem Fall doch zum eingangs erwähnten Bodysuit greifen

Volldampf drauf!

Die eigentliche Handlung passt auf eine Briefmarke: Im Britannien des 5. Jahrhunderts sorgt Hexe Nimue (Milla Jovovich) für eine Pestplage, wird aber von König Artus mit dem legendären Schwert Excalibur gesechsteilt und in Kisten verpackt quer übers Land verstreut. Sie sinnt natürlich auf Rache, beruft sich auf eine uralte Prophezeiung und will sich – so ihre Einzelteile jemals gefunden und zusammengeflickt werden – mit Dämon Hellboy (Harbour) auf ein Packl hauen, um die Menschheit zu unterjochen. Er soll es sein, der den Tag des jüngsten Gerichts einläutet. Dieser Kraft sind sich im Zweiten Weltkrieg auch die Nazis bewusst, die den Teufelskerl in die Menschenwelt beschwören und für ihre Dienste versklaven wollen. Wären da nicht die Agenten der Geheimorganisation B.U.A.P. – allen voran ihr Gründer Trevor Bruttenholm (Ian McShane) – die den Kerl bei sich aufnehmen und zu einem ganz und gar nicht böswilligen Mitarbeiter ihrer Truppe umfunktionieren. So wächst „Big Red“ umgeben von Menschen auf, seine Herkunft verschweigt ihm sein Ziehvater allerdings aus gutem Grund. Es kommt, wie es kommen muss: Nimue wird dank der tatkräftigen Unterstützung der Hexe Baba Yaga und ihrem Lakaien Gruagach zurück ins Reich der Lebenden geholt und setzt ihre Schreckensherrschaft fort – und der Einzige, der sich ihr in den Weg stellen kann, weiß noch nicht, wozu er eigentlich bestimmt ist …

Zum Abschluss gibt’s übrigens zwei Post-Credit-Szenen mit Ankündigung einer Fortsetzung und der Einführung einiger bekannter Figuren aus dem Hellboy-Comic-Universum, wie z. B. Abe Sapien, Lobster Johnson sowie der unsterbliche Koschtschei, der im Sequel aller Wahrscheinlichkeit nach eine größere Rolle spielen wird ;-)

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