Hedi Schneider steckt fest

Komödie/Drama, D/N 2015
Hedi leidet unter Panikattacken

Hedi leidet unter Panikattacken

Das Leben einer glücklichen, ein wenig verrückten Kleinfamilie gerät in "Hedi Schneider steckt fest" komplett aus den Fugen, als die Mutter von Panikattacken heimgesucht wird. Liebevoll inszeniert von Sonja Heiss, großartig gespielt von Laura Tonke.

Die Metapher könnte nicht deutlicher sein: Gerade noch ist Hedi (Laura Tonke) durch das bunte Frankfurt geradelt, da bleibt sie im Aufzug stecken. Sie nimmt es mit Gelassenheit und Humor, versucht sich die Zeit mit einer Plauderei mit dem Notdienst zu vertreiben. Keine Spur von Panik. Diese kommt erst wenig später. Ausgerechnet beim spielerischen Sex mit ihrem Mann Uli. Hedi glaubt zu sterben, und ihr Leben und das ihrer Kleinfamilie gerät komplett aus den Fugen.

Plötzlich geistert sie nachts durch die Stadt. Treibt einen Verkäufer in einer Zoohandlung zur Verzweiflung, bis sie schließlich ein kleines Kaninchen kauft. Läuft Uli (Hans Löw) auf eine Party nach, nachdem sie viel zu viele Antidepressiva geschluckt hat und erbricht sich prompt bei einem Partygast aufs Hemd.

Regisseurin Sonja Weiss - verfügt selbst über Erfahrung mit Angststörungen - erzählt in "Hedi Schneider steckt fest" diese Entwicklung mit viel Geduld und liebevollem Witz. Sie zeigt, wie das Leben einer fröhlichen Familie zusammenbrechen kann, erzählt von der Fragilität des Glücks und der Liebe und auch von der Verlorenheit einer Generation.

Mit rund 40 weiß Hedi noch nicht so recht, wo sie hin will. Macht einen Job in einer Reiseagentur ohne jegliche Ambitionen, aber immer fröhlich-freundlich. Unbeschwert wandelt sie durch ihr Leben und macht sich ihre Welt, wie sie ihr gefällt, ohne damit jemandem zu schaden. Das Leben scheint ein Spiel, so wie die kreativen Rollenspiele mit ihrem kleinen Sohn Finn.

"Wir müssen Geduld haben", sagt Uli immer, wenn er sich mal wieder eine neue Therapie angelesen oder Hedi eine Überdosis ihrer Pillen eingeworfen hat. Die Medikamente stehen ihr offensichtlich unbegrenzt zur Verfügung. Dass die Kleinfamilie mit ihrer Selbsttherapie nicht weiterkommt, erstaunt nicht. Mit "Okay", reagiert Uli auf jede weitere Eskapade Hedis. Dabei ist nichts okay.

Und doch ist "Hedi Schneider steckt fest" ungemein berührend, intensiv und in jedem Fall - auch dank des großartigen Spiels von Laura Tonke - sehenswert.

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