Heart Of A Dog

Dokumentation, F/USA 2015

Lou Reeds Witwe Laurie Anderson über Hund, Mutter und Mann

Wenn ein geliebter Mensch stirbt, scheint die Welt um einen herum vorbeizurauschen. Auch Laurie Anderson erlebte zuletzt schwere Schicksalsschläge: Erst starb ihr geliebter Hund, dann ihre Mutter, dann ihr Ehemann, der legendäre Musiker Lou Reed. Ihre Gedanken und Emotionen dazu hat Anderson in "Heart Of A Dog" verarbeitet - einem kunstvollen und sehr privaten Bilder- und Gedankenrausch.

Anderson, die sich bisher vor allem als Performance-Künstlerin, Fotografin und Sängerin einen Namen gemacht hat, streift hier gesellschaftliche Entwicklungen und grundsätzliche, existenzielle Fragen. Der US-Amerikanerin gelingt es dabei scheinbar spielerisch, Philosophen wie Søren Kierkegaard zu zitieren, Maler wie Francisco de Goya vorzustellen und die Absurdität des US-Überwachungsstaates miteinzubinden.

Ausgangspunkt für all das ist der Tod ihres Terriers Lolabelle. Wenig später starb ihre Mutter, 2013 dann ihr Mann Reed im Alter von 71 Jahren. Wie der Titel schon andeutet, beherrscht aber vor allem Lolabelle viele Sequenzen. Die 68-jährige Anderson versucht zu ergründen, wie der Terrier die Welt um sich herum wahrnahm und was sie selbst so eng an das Tier band.

Doch auch Rocklegende Lou Reed, der Songs wie "Perfect Day" und "Walk on the Wild Side" sang, ist in "Heart of a Dog" kurz zu sehen. Auch im Abspann ist das ehemalige Mitglied der Band The Velvet Underground zu hören. Überhaupt ist er irgendwie immer mit dabei, etwa wenn Anderson in ihrer Dokumentation aus dem Off von "Wir" und ihren gemeinsamen Erfahrungen erzählt. Dennoch dreht sich das komplexe, aber nur 75 Minuten lange Werk nicht um Reed, sondern ist vielmehr ein Einblick in Andersons Gedankenwelt.

Einige Zuschauer werden mit diesem assoziativen Filmgedicht wenig anfangen können, sind es doch sehr subjektive Wahrnehmungen und Erfahrungen. Vor allem wenn Lolabelle Klavier spielt, mag man den Bezug zu Anderson und ihrer Welt etwas verlieren. Und doch enthält ihr experimenteller Essay existenzielle Gedanken zum Leben und zum Tod. Das poetische "Heart Of A Dog" entwickelt sich so zu einer zutiefst berührenden Meditation über die Liebe und das Abschiednehmen, das Sterben und das Erinnern.

Kinotipps
#Female Pleasure

#Female Pleasure

Fünf Frauen unterschiedlicher Weltreligionen bei ihrem Kampf für Gleichberechtigung und respektvollen Umgang

Kinotipps
Alles ist gut

Alles ist gut

Filmemacherin Eva Trobisch lotet die Folgen einer Vergewaltigung aus und macht dabei keine Kompromisse.

Kinotipps
Was uns nicht umbringt

Was uns nicht umbringt

Nicht nur in seinem Job als Psychotherapeut ist August Zirner soziale Kompetenz gefragt. Seine Töchter sind in der Pubertät, ...

Kinotipps
Verschwörung

Verschwörung

Im komplett frisch besetzten nächsten Kapitel von Stieg Larssons Millennium-Thriller-Reihe zieht Claire Foy als Titelheldin ...

Kinotipps
Suspiria

Suspiria

Remake des Italo-Kultfilms von Dario Argento aus 1977

Kinotipps
Rememory

Rememory

Sci-Fi-Thriller mit Game-of-Thrones-Star Peter Dinklage