Happy End

Drama, F/A/D 2017

Die Familie Laurent ist sich innerlich fremd

Mit einem breit angelegten Familienporträt meldet sich Michael Haneke fünf Jahre nach seinem Erfolgskammerspiel "Amour" wieder auf der Kinoleinwand zurück. Nach der verhalten aufgenommenen Weltpremiere bei den Filmfestspielen von Cannes kommt das Werk über eine Industriellenfamilie nun in die österreichischen Kinos. An die unmittelbaren Vorgängerarbeiten reicht "Happy End" jedoch nicht heran.

Die Laurents gehören zu den besseren Familien von Calais. Gleich mehrere Generationen residieren in einer stilvollen Villa samt Personal -und den obligaten persönlichen Abgründen, die nach und nach freigelegt werden: Der alte Patriarch George (Jean-Louis Trintignant) wird immer dementer und will eigentlich nur noch sterben. Sein Lebenswerk, ein Bauimperium, hat er längst an seine Tochter Anne (Isabelle Huppert) übergeben.

Sie ist es, die Firma, Haushalt und ihre Fernbeziehung zum englischen Manager Lawrence (Toby Jones) managt. Ihr Bruder Thomas (Mathieu Kassovitz) ist Arzt, zum zweiten Mal verheiratet - mit der überspannten Anaïs - und gerade wieder Vater geworden. Seine Tochter aus erster Ehe, die zwölfjährige Eve (Fantine Harduin) ist eingezogen, weil deren Mutter im Hospital liegt. Ob wegen eines Selbstmordversuchs oder weil Eve sie vergiftet hat, ist nicht so ganz klar. Und die entfremdete Tochter kommt bald darauf, dass Papa Thomas auch seine neue Frau betrügt.

Auch Annes Sohn Pierre (Franz Rogowski) hat seinen Rucksack zu schleppen. Gegen seine innere Überzeugung hat er sich in Mutters Baubiz integrieren lassen. Prompt kommt es auf einer von ihm verantworteten Großbaustelle zu einem schweren Unfall, der den Fortbestand des gesamten Familienunternehmens gefährdet. Ach ja, und weil wir in Calais sind, dem Punkt, an dem sich Frankreich und England am nächsten sind: Hier ist auch ein Hotspot der Flüchtlingsströme, die Richtung England wollen. Erst im Hintergrund, dann immer deutlicher wird die Veränderung spürbar, die durch die Migranten verursacht wird

Vieles wirkt an der Narration fragmentarisch, unzusammenhängend in der Stringenz und Logik. Einzelne Themenkomplexe wie Soziale Medien, Flüchtlingskrise, Einsamkeit, Sterben oder die emotionale Kälte innerhalb einer wirtschaftlich etablierten Schicht reihen sich als Sammelsurium aneinander. Sie zerstören sich jedoch wie bei Snapchat gleichsam unmittelbar selbst.

Man könnte Michael Hanekes Happy End als Quintessenz seines Schaffens sehen, wo seine bevorzugten Themen (kritisch-distanzierte Blicke auf die Bürgerlichkeit, was man einander dort antut und welche Ängste und Abgründe sich daraus ergeben) hochverdichtet vorgeführt werden, wie immer in langen Einstellungen; ein Puzzle aus nur lose zusammengehörenden Sequenzen, die am Ende eine Geschichte ergeben.

Oder man teilt die Ansicht mancher Kritiker nach der heurigen Premiere in Cannes, die von einem Best-of der letzten Filme sprachen, ohne viel Neues, nur mit dem eindeutig nicht gelungenen Versuch, Ironie beizumengen. Andere wiederum werden genervt sein von gefühlt minutenlangen ereignislosen Szenen. Nichts auszusetzen gibt es wie immer an den Schauspielern. Fazit: Sowohl Haneke-Gegner als auch seine Fans werden sich von Happy End bestätigt fühlen.

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