Happy Burnout

Komödie, D 2017

Alt-Punk Fussel (Wotan Wilke Möhring) mischt die Burn-Out-Klinik auf

Andreas "Fussel" Poschka (Wotan Wilke Möhring) ist ein Sozialschmarotzer. Arbeiten will er nicht, stattdessen verdreht er lieber Frauen den Kopf. Wie seiner Sachbearbeiterin beim Arbeitsamt, die ihn, als eine interne Prüfung ansteht, ein Attest zur Arbeitsunfähigkeit aufgrund eines Burn-outs ausstellt. Für sechs Wochen kommt er in eine Klinik inmitten Ausgebrannter - und bringt mit seiner eigenwilligen Art Leben in die Bude, was besonders Krankenschwester Alexandra (Anke Engelke) in den Wahnsinn treibt Wohlfühl-Film. Regisseur André Erkau nimmt das "Massenphänomen" Burn-out mit reichlich Klischees aufs Korn. Charmant gespielt und kurzweilig.

"Sie beziehen Hartz-IV, seit es Hartz-IV gibt", bilanziert seine sehr verständnisvolle Sachbearbeiterin vom Arbeitsamt trocken. Dies kann so nicht weitergehen. Also wird Fussel krankgeschrieben und zur Burnout-Therapie auf ein nobles Anwesen geschickt. Hier mischt der coole Anarcho mit der frechen Schnauze die doch sehr sedierten Mitpatienten ordentlich auf.

In ihrer kurzweiligen Culture-Clash-Komödie zielen Regisseur André Erkau ("Das Leben ist nichts für Feiglinge") und sein Drehbuchautor Gernot Gricksch auf den ganz normalen Wahnsinn des Alltags. Über weite Strecken gelingt ihnen die Gratwanderung zwischen Seelen-Elend und Humor. Die ausgebrannten Insassen der Klinik werden nicht denunziert oder lächerlich gemacht, sondern als Menschen mit ihren Macken ernst genommen. Zum Ende hin wirkt diese hochkarätig besetzte Komödie mit ernsten Untertönen dann allerdings etwas zu sehr auf Harmonie gebügelt - da verpufft der ruppige Anarcho-Charme und es macht sich Rührseligkeit breit.

Als der chaotische Fussel in die Nobelklinik einfällt, wird der Therapeutin Alexandra (Anke Engelke) schnell klar, dass dieser Typ nicht an Burn-out leidet, sondern eine hyperaktive, respektlose Nervensäge ist, die den anderen Patienten sichtbar gut tut. Der todtraurige Kinderclown Datty (Kostja Ullmann) entdeckt das Lachen wieder, die völlig überforderte Helikopter-Mutter Merle (Julia Koschitz) lässt mal los, und der leergelaufene Turbo-Yuppie Anatol (Torben Liebrecht) findet in dem Leistungsverweigerer Fussel genau den Gegenspieler, den er dringend braucht. Eine richtige Freundschaft entwickelt sich zwischen dem Alt-Punk und dem buchstäblich ausgebrannten Sonnenstudio-Manager Günther (Michael Wittenborn), der mit Fussels Hilfe neuen Lebensmut fasst.

Dabei sind es vor allem die pointierten Dialoge und Wortgefechte, die den Film zu einem kurzweiligen Vergnügen machen. Mit viel Spaß am Provozieren stiefelt Wotan Wilke Möhring durch die blitzblanke Kurklinik mit Schlossgraben und englischem Rasen und lässt dabei kein Fettnäpfchen aus. Anke Engelke im braven Look hat alle Mühe, den strubbeligen Chaoten etwas auf Linie zu bringen. Aber dann erliegt auch sie dem Charme des Unangepassten. So feiert diese nette, aber nicht tief gehende Komödie genüsslich die Anarchie des Alltags - bis zum erwartbaren Happy End.

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