Hafners Paradies

Dokumentation/ , D 2007
Paul Maria Hafner war Waffen-SS-Offizier

Paul Maria Hafner war Waffen-SS-Offizier

Den Umgang mit dem Nationalsozialismus lernt man meist über den Geschichtsunterricht, der das nicht Fassbare durch Fakten vermitteln will, die sich den Funktionsweisen und der Protagonisten des diktatorischen Systems mittels Archivmaterial annähern. Regisseur Günter Schwaiger ging einen anderen Weg und suchte den nach Spanien geflüchteten ehemaligen Waffen-SS-Offizier Paul Maria Hafner auf.

Der Salzburger Filmemacher in "Hafners Paradies" dem Zuseher die Banalität des Bösen vor Augen. Mehr als ein Jahr lang begleitete Schwaiger den 84-jährigen Hafner. Entstanden ist ein 72-minütiges Porträt eines Mannes, der wie zahllose NS-Schergen nach Kriegsende in Francos Spanien untertauchte und dort noch heute unbedarft seiner Ideologie nachhängen kann.

Schwaiger fällt es sichtlich nicht leicht, sich als Regisseur nur mit seinen Bildern von den Aussagen, die im Film getroffen werden, zu distanzieren, also baut er sich aus dem Off selbst in den Film als "Gegengewicht" mit ein. Wenn Hafner seine Gesinnungsgenossen an der spanischen Küste besuchen will und von dort eine Postkarte an den mittlerweile ausgelieferten Holocaust-Leugner Gerd Honsik schreibt, macht Schwaiger strikt klar, dass er nicht mitunterschreiben will. Und er versucht, den "netten, alten Mann" mit dessen Vergangenheit zu konfrontieren.

Mit durchaus überraschenden Auswirkungen: Wenn Hafner Bilder von KZ-Toten ansieht und dem ehemaligen Dachau-Häftling Hans Landauer gegenüber sitzt, fällt ihm das Sprechen plötzlich schwerer, bricht eine Nervenkrankheit aus. Sein Theoriengebäude wackelt, die Träume vom Vierten Reich scheinen zu bröckeln - den stumpfen und ignoranten Antworten, auf die Hafner sein Leben lang gebaut hat, ist kurzerhand der Boden entzogen worden.

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