Habemus Papam - Ein Papst büxt aus

Drama, I/F 2011
Ein Papst in der Krise

Ein Papst in der Krise

Ein neuer Papst wird gewählt. Die Kardinäle murmeln leise vor sich hin. Doch es ist nicht das Vaterunser, das sie beten, sondern ein "Bitte nicht ich, bitte nicht ich". Als dann schließlich der weiße Rauch aus dem Petersdom steigt, atmen die meisten Kardinäle auf: Die Wahl ist in Nanni Morettis Komödie "Habemus Papam - Ein Papst büxt aus" auf den unwilligen Melville (Michel Piccoli) gefallen.

Nanni Moretti ist für seine scharfsinnigen Gesellschaftsanalysen bekannt. Nach "Il Caimano", wo er den ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi aufs Korn nimmt, widmet sich der Filmemacher nun der Kirche. Die zeigt er allerdings von einer sehr menschlichen Seite. Der Ruf "Habemus Papam" versetzt den ernannten Kardinal Melville nämlich in Panik. Tausende Gläubige warten, dass sich der neue Papst ihnen am Fenster zeigt. Was soll er bloß tun? Er kann sich nicht der Welt zeigen, wenn er selbst so starke Zweifel hegt, denkt sich Melville - und tut es eben nicht. Besorgt ob dieser Entwicklung rufen seine nächsten Berater einen Psychoanalytiker, den Regisseur Nanni Moretti selbst spielt, in den Vatikan. Doch der Papst dankt es nicht - und läuft davon.

"Es ist die Geschichte eines Mannes, der einfach Nein sagt. Es ist außerdem etwas ganz Normales, Versagensängste zu haben", sagt Moretti im APA-Interview. Michel Piccoli verleiht dem zögernden Papst, der keiner sein will, eine sanfte Verletzlichkeit. Der 85-jährige französische Schauspielstar zeigt in seiner Rolle aber zugleich auch Stärke und den Mut, als Papst sich gegen die Erwartungen aller anderen zu stellen. Melville flüchtet lieber in ein Theater, wo er hingebungsvoll den Proben zu Anton Tschechows "Die Möwe" lauscht. Die Worte kann er auswendig, wäre er doch viel lieber Schauspieler geworden. Indes wird der Psychoanalytiker immer mehr zum Gefangenen des Vatikans. Denn bis der designierte Papst nicht gefunden ist, muss dieser die Inszenierung mitspielen. So verschmelzen die Grenzen zwischen Theater und den Regeln des Miniversums des Vatikans.

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