Gruber geht

Drama, A 2015
Das Damoklesschwert Krebs schwebt über Gruber

Das Damoklesschwert Krebs schwebt über Gruber

"I'm a mean motherfucker, I'm just bored", singt Florian Horwath im Titellied und gibt so den Ton vor. So böse, wie er tut, ist Johnny Gruber natürlich nicht. Vom sinnentleerten Leben gelangweilt schon eher - bis die Krebsdiagnose kommt. Marie Kreutzer hat Doris Knechts Bestseller "Gruber geht" verfilmt - und Manuel Rubey grandios als charmant-strauchelnden Kotzbrocken besetzt.

Es ist ein ziemliches Luxusleben, durch das sich der Mittdreißiger John Gruber (Rubey) grantelt: Ein Job im Investmentbereich finanziert ihm eine Dachgeschoßwohnung in Naschmarktnähe, einen beachtlichen Kokainkonsum und einen Porsche. Besonders an seinem Leben zu hängen scheint Gruber aber nicht: Den Brief aus dem Krankenhaus öffnet er jedenfalls lange nicht. Erst der ziemlich fantastische Sex mit der attraktiven Berliner DJane Sarah Vogel (Bernadette Heerwagen) lässt ihn umdenken. Sie liest vor, was er schon geahnt hat: Krebs-Verdacht.

Gruber wäre nicht Gruber, würde er das vorerst (zumindest nach außen) nicht betont locker nehmen. Bei der Dialyse verlangt der Testosteronkönig von der feschen Ärztin eine höhere Dosis, die Diagnose postet er lapidar auf Facebook: "John Gruber hat Krebs." Ob er ganz deppat sei, fragt da sinngemäß seine Schwester Kathi (Doris Schretzmayer), deren Lebensentwurf - Mann, Kinder, Landhaus - der Egozentriker aus tiefstem Herzen ablehnt. Doch mit fortschreitender Krankheit passt sich Gruber an: Die Kleinfamilie wird zur willkommenen Stütze, die "Schwuchtel" im Fitnesscenter bringt ungeahnte Geborgenheit, der "Todesengel" Sarah weckt den Wunsch nach Sesshaftigkeit - und sogar dem Suppe-Kochen in der Designerküche ist der heimliche Bob-Dylan-Fan Gruber nicht länger abgeneigt.

Es ist zweifellos eine konventionelle Wendung, die "Gruber geht" nimmt. Anders als Kolumnistin Doris Knecht, die mit ihrem Romandebüt 2011 einen Bestseller landete, lässt sich Marie Kreutzer dafür aber mehr Zeit. Geht im Roman am Ende alles gar schnell, hat Gruber im 100-Minuten-Film ein wenig mehr Zeit für seinen Sinneswandel. Und Manuel Rubey verleiht dem prätentiösen Business-Typen und Misanthropen von Anfang an eine sehr verletzliche, weiche Note.

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