Groupies bleiben nicht zum Frühstück

Komödie, D 2010
Lila hats nicht leicht

Lila hats nicht leicht

Mit charmantem Humor macht sich die Komödie "Groupies bleiben nicht zum Frühstück" daran, den Kommerz von Stars und Glitzerwelt zu untergraben. Der deutsche Jugendliebesfilm zeigt, worum es sich zu kämpfen lohnt: Um echte Freundschaft und vielleicht sogar Liebe. Dabei will er die Zuschauer nicht belehren, sondern einfach nur unterhalten. Und zwar äußerst geschickt.

Die Schülerin Lila verliebt sich in den umschwärmtesten Star der Saison merkt aber gar nicht, wen sie da vor sich hat. Kostja Ullmann spielt Christopher, den Leadsänger "Chriz" der fiktiven Band "Berlin Mitte", die mit recht seichten Songs die Herzen der Mädchenwelt erobert. Anna Fischer verkörpert Lila, die gerade ein Jahr in Amerika war und deshalb nicht die leiseste Ahnung hat, welche Musiker bei den Jugendlichen in Deutschland gerade angesagt sind. Und Chriz? Ist ganz hin und weg davon, dass Lila sich nur für den jungen Mann in ihm interessiert, nicht aber für das begehrte Teenie-Idol.

Während Chriz mit lässiger Lederjacke und schmalzigem Dauerlächeln Autogramme an kreischende Groupies verteilt - diese aber um seines skandalfreien Rufes willen nicht über Nacht mit zu sich ins Hotelzimmer nehmen darf -, hat Lila die Angewohnheit zu schnarchen wie ein Holzfäller, der einen ganzen Wald umsägen will. Mit diesem recht gewollten Gag hat die Geschichte zum Glück aber ihren humoristischen Tiefpunkt erreicht.

Davon abgesehen besticht der Film durch eine rasante Situationskomik voller Verwechslungen und frecher Sprüche, vor allem wenn Lilas Freundin Nike (Nina Gummich) auftaucht. Die Berliner Göre verdirbt den wasserstoffblonden Divas an ihrer Schule schon mal den Tag, wenn sie deren Clique vor versammelter Klasse ganz nebensächlich fragt, ob Paris Hilton jetzt eigentlich explodiert sei? So gewitzt wurde der gleichgeschaltete Schönheitswahn pubertärer Möchtegern-Promis selten auf die Schippe genommen. All dies wird wohl vor allem das weibliche Publikum ab 12 Jahren amüsieren.

Die Stärke der Regie von Marc Rothemund ("Sophie Scholl - Die letzten Tage"): In den Momenten der größten Nähe setzt er die Figuren ganz natürlich in Szene. Dann zählt nur die Begegnung zwischen den jungen Menschen ohne aufgesetzte Starposen.

Und weil der Film die Jugendlichen und ihre Gefühle ernst nimmt, hebt er sich wohltuend ab von der Unmoral von Castingshows: Lila, die große Sympathieträgerin dieser Geschichte, lässt sich weder von den Backstage-Partys noch vom Blitzlichtgewitter rund um Chriz beeindrucken. Sie durchläuft eine eindrucksvolle Entwicklung, immer auf der Suche nach Christophers wahrem Charakter hinter der Fassade seines glatten Popstar-Gesichts. Für ihre frische Art und ihr lebenslustiges Lächeln in der Rolle der Lila wird Anna Fischer sicher noch häufig mit der jungen Sophie Marceau in dem Film "La Boum" verglichen werden, der sie mit ihrem dunkelbraunen, glatten Haar in vielen Einstellungen verblüffend ähnelt.

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