Große Erwartungen

Drama, GB/USA 2012
Drama, Liebe und Leidenschaft

Drama, Liebe und Leidenschaft

Helena Bonham Carter, Ralph Fiennes, Robbie Coltrane: Für die neueste Kinoverfilmung von Charles Dickens "Große Erwartungen" hat das Vereinigte Königreich seine großen Namen aufgefahren.

Eigentlich könnte man meinen, "Große Erwartungen" habe in der Kino- und Fernsehgeschichte mehr als genug Beachtung gefunden, immerhin scheint der Stoff geradezu für bewegte Bilder gemacht. Zuletzt hatte der Sender BBC die Geschichte des Waisenjungen Pip, der unerwartet zu Reichtum kommt und ihn wieder verliert, zum Jahreswechsel als aufwendigen TV-Mehrteiler inszeniert. Über die Jahrzehnte gab es unzählige Verfilmungen.

Die Version 2012 bekommt ihren eigenen Charme jedoch vor allem durch die Darsteller: Eine Reihe der derzeit größten Namen des britischen Films hat sich dafür zusammengetan. Die Spezialistin für skurrile Charaktere und schräge Outfits, Helena Bonham Carter, scheint wie geboren für die Rolle der Miss Havisham, die nach einer enttäuschten Liebe zu einer Art lebendigem Geist geworden ist und ihre Adoptivtochter Estelle zur Rache an der Männerwelt erzieht. Pip, gespielt von Nachwuchstalent Jeremy Irvine, wird zu einem der ersten Opfer von Estelle, und kommt auch Jahre später nicht von ihr los.

Ralph Fiennes ist ein Meister des Zweideutigen, wie zuletzt wieder im neuen James-Bond-Film "Skyfall" zu sehen war. Die Figur des Magwitch, der gleichzeitig Straf- und Wohltäter ist, füllt er damit bestens aus. Robbie Coltrane, zuletzt vor allem als riesiger Zauber-Hausmeister Hagrid aus "Harry Potter" bekannt, spielt den Rechtsanwalt, der das Vermögen des jungen Pip verwaltet und zwischen ihm und dem geheimen Wohltäter vermittelt. Regie führte Mike Newell, Macher von "Harry Potter und der Feuerkelch" und "Vier Hochzeiten und eine Todesfall".

Auffallend: Bonham Carter, Fiennes und Coltrane spielten alle drei bei den "Potter"-Filmen mit, Newell drehte einen davon. Die britische Zeitung "Times" betitelte "Große Erwartungen" dementsprechend als "Hybrid aus viktorianischem Thriller und Harry Potter", und kam zum Ergebnis: "Erwartungen mehr als erfüllt".

Ein kleiner Wermutstropfen für Fans des Buches ist lediglich, dass sich der Dickens-Kosmos nur schwer in Filmlänge pressen lässt - Handlungsstränge müssen zwangsweise verkürzt, Figuren vereinfacht werden. Bei Pips Wandlung vom armen Waisen zum reichen Schönling zum wieder verarmten Erwachsenen kommt man als Zuschauer manchmal nicht so richtig mit. Wer allerdings nach dem Film Lust auf mehr bekommt, der kann ja immer noch zum Wälzer greifen - und dabei tatsächlich Großes erwarten.

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