Grbavica

Drama/ , A/BIH/D/HR 2006
Sara ist nachdenklich: Was ist mit ihrem Vater?

Sara ist nachdenklich: Was ist mit ihrem Vater?

Mit sehr viel Sensibilität widmet sich die bosnische Regisseurin Jasmila Zbanic in ihrem Debüt "Grbavica" den Folgen des Krieges in Bosnien-Herzegowina. Zbanic, von der auch das Drehbuch stammt, sprach mit vielen Frauen, die im Krieg vergewaltigt wurden. Der majoritär in Österreich produzierte Streifen holte bei der Berlinale den Goldenen Bären.

Im Mittelpunkt der Handlung stehen die Mutter Esma (Mirjana Karanovic) und ihre Tochter Sara (Luna Mijovic), die in Grbavica, einem Stadtteil von Sarajevo leben. Die zwölfjährige Sara möchte an einer Klassenfahrt teilnehmen. Im Glauben, dass ihr Vater ein Kriegsheld ist, drängt sie ihre Mutter, das entsprechende Dokument herzugeben, um einen Preisnachlass für den Ausflug zu erhalten.

Aber Esma hat dieses Dokument nicht. Sie möchte ihre Tochter und sich selber schützen, indem sie Sara die Wahrheit über die Umstände ihrer Zeugung verschweigt. Fragt Sara nach ihrem Vater, weicht Esma ihr aus. Eine Reaktion, die in Sara immer mehr Trotz und Rebellion hervorruft. Sie spürt, dass etwas nicht stimmt.

Esma nimmt neben ihrem Tagesjob noch eine Arbeit in einem Nachtclub an, um ihrer Tochter das Geld für den Schulausflug finanzieren zu können. Die Situation eskaliert, als Sara auf der Klassenliste nicht als Kind eines "shaheed", eines Kriegshelden, aufscheint. Sie stellt ihre Mutter zur Rede und erfährt auf schmerzhafte Weise die Wahrheit. Esmas Eis ist gebrochen und all der aufgestaute Schmerz bricht aus ihr heraus.

Es ist ein stiller Film, der ohne viele Worte, aber mit starken Bildern auskommt. Eine wesentliche Rolle spielt die Musik. Der Film beginnt mit einem sogenannten Illahija (Lieder, die Gott gewidmet sind). Esmas Innenleben drückt sich durch die Musik aus, die eine dramatische Funktion übernimmt. Ein Stilmittel, das Zbanic ganz bewusst einsetzt.

Die Ilahijas stehen für die Regisseurin für Esmas Sensibilität und bringen sie schließlich zum Reden. Im Gegensatz dazu steht die Turbo Folk Music, die symbolisch für Aggressivität steht und während der Ära Milosevic der vorherrschende Stil war. Auch heute noch werden ihr Attribute des Krieges, Aggressivität oder Macho-Kultur zugeordnet.

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