Girlhood - Bande de filles

Drama, F 2014
Marieme und ihre Gang

Marieme und ihre Gang

Unter sich sind Marieme und ihre Football-Mannschaftskolleginnen aufgeweckt, laut und frei, zuhause hingegen der Willkür dominanter Männer ausgeliefert. Erst als sich Marieme einer Mädchengang anschließt, findet sie neues Selbstbewusstsein und mögliche Auswege aus ihrer Lage. Die äußerliche wie innerliche Verwandlung zeigt Regisseurin Celine Sciamma eindrücklich in "Girlhood - Bande de filles".

Es ist ein von rigorosen Regeln und Verboten bestimmtes Leben, das die 16-jährige Marieme gemeinsam mit ihren zwei jüngeren Schwestern in einem Plattenbau am Stadtrand von Paris führt. Der Vater ist weg, die Mutter meist arbeiten, der ältere Bruder Djibril führt ein strenges Regiment und erhebt bei Widerrede nicht selten seine Hand. Als Marieme aufgrund ihrer schlechten Noten der Aufstieg in die nächste Schulklasse verwehrt wird, scheint der Ausweg aus ihrer trostlosen Lage verbaut - bis sie die ungewöhnlichen, exzentrischen Mädchen Lady, Adiatou und Fily kennenlernt und sich ihrer Gang anschließt.

Von ihnen erhält sie einen neuen Namen - "Vic" für "Victory", also: "Sieg" - und neues Selbstbewusstsein, und lernt erstmals wahre Freundschaft und Freiheit kennen. Als sie einen verlorenen Kampf von Anführerin Lady rächt, ändert sich die Dynamik in der Gruppe, was ist ihr nicht zuletzt den Respekt ihres Schwarms Ismael, dem besten Freund ihres Bruders, einbringt. Die Annäherung ist folgenreich und zwingt Marieme, ihre leibliche wie auch die neu gewonnene Familie verlassen.

Frei von Sentimentalität und Vorurteilen, stattdessen mit einer ehrlichen Neugier und eindrücklichen Bildern fängt Celine Sciamma in "Girlhood" (im Original: "Bande de filles") die Wandlung ihrer Hauptprotagonistin ein. Wie schon in ihren Coming-of-Age-Filmen "Water Lilies" (2007) und "Tomboy" (2011) stellt die Französin dabei die Suche eines Mädchens nach seiner Identität in den Mittelpunkt und festgefahrene, weibliche Rollenbilder infrage.

Dem ausnahmslos schwarzen Cast aus Laiendarstellern steht dabei die fantastische Karidja Toure als Marieme vor, die die katastrophalen wie auch heldenhaften Entscheidungen ihrer Figur nachvollziehbar scheinen lässt und bei all der gewonnen Stärke stets eine gewisse Zerbrechlichkeit erhält. Sciamma ist selbst in einem Vorort von Paris aufgewachsen, war von den schwarzen Teenagern in ihren Gangs stets fasziniert. "Wenn man diese Mädchen trifft", so die Regisseurin zu "Cineuropa", "strahlen sie so viel Energie aus, so viel Intelligenz, Humor und Charisma, obwohl sie nicht viel zum Träumen haben und ihr Land ihnen keine Aussicht darauf gibt, was sie einmal werden oder tun können."

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