Gigante

Drama, ROU/RA/D/E 2009
Liebe per Überwachungskamera

Liebe per Überwachungskamera

Dem Argentinier Adrian Biniez gelang Außergewöhnliches: Gleich mit seinem Debütspielfilm "Gigante" wurde er zu einem der großen Gewinner der Internationalen Filmfestspiele Berlin 2009. Das Publikum jubelte angesichts der hintersinnigen Romanze mit Hindernissen, die der Musiker und Regisseur mit finanzieller Beteiligung aus Deutschland in Uruguay gedreht hat.

Im Zentrum der feinen, leisen Geschichte steht der "Gigant" Jara (Horacio Camandule). Der Koloss von einem Kerl arbeitet als Wachmann in einem Supermarkt. Dabei entdeckt er via Monitor die Putzfrau Julia (Leonor Svarcas) und verliebt sich in sie. Doch seine Schüchternheit scheint allem Glück im Wege zu stehen: Er schafft es nicht, sie auch nur anzusprechen.

Jara ist ein typischer Anti-Held des gegenwärtigen Kinos Lateinamerikas, das allem Machismo gern eine Abfuhr erteilt. Er ist sensibel, wortkarg, introvertiert. Sein Leben verläuft ohne Höhen oder Tiefen. Es ist fraglich, ob er es erträgt, durch die Liebe aus dem Gleichmaß seines Lebens gerissen zu werden. Daraus erwächst eine starke Spannung. Ein Happy End scheint unmöglich zu sein. Oder etwa doch nicht?

Der Film entspricht stilistisch der Hauptfigur. Kameramann Arauco Hernández Holz lässt sich Zeit, setzt auf erfrischend knappe Dialoge und dicht gewebte, schlicht anmutende Szenen. Dieser formale Minimalismus ist der Trumpf des Films. Die feinen Alltagsbeobachtungen sind von schönem Reiz, regen oft zum Schmunzeln und manchmal auch zu wohliger Melancholie an.

Auf der Berlinale 2009 stimmten die Juroren in den Publikumsjubel ein: Es gab, zu gleichen Teilen mit dem deutschen Film "Alle Anderen", den Großen Preis der Jury. Außerdem erhielt die bezaubernde Komödie die Auszeichnung als bester Erstlingsfilm und zusammen mit Andrzej Wajdas "Der Kalmus" aus Polen den Alfred-Bauer-Preis.

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