Get Out

Horror, USA 2017

Chris wird Opfer einer okkulten Intrige

Die Horrorüberraschung des Jahres kommt diese Woche zu uns: Junger Schwarzer wird den weißen Eltern seiner Freundin vorgestellt – aber irgendwas ist hier faul ...

Dieser Fim ist ein Bilderbuchbeispiel für Produzenten-Nassträume made in Hollywood, wenn Produzenten und Studios vom ganz großen Erfolg träumen. Denn erstens hat der Horrorthriller Get Out (auf Deutsch am besten mit ‚Raus da!‘ übersetzt), der diese Woche in unseren Kinos startet, trotz großartigem, wertigem Kinolook nur 4,5 Millionen Dollar gekostet - also weniger als eine durchschnittliche heimische Graustichproduktion, die eher nach Fernsehen am Spätsendeplatz aussieht.

Zweitens überschlugen sich die Kritiker mit Lob und Hudel wegen der originär-originellen Geschichte und der tollen Schauspieler, die zwar (noch) keine ganz großen Namen sind, aber punktgenau und präsent genau das abliefern, was der Film braucht. Die Ratings lagen noch über denen der Oscar-Filme ‚La La Land‘ und ‚Moonlight‘.

Und drittens hat dieses Paket aus Beklemmung und Humor allein an den US-Kinokassen innerhalb von zwei Monaten Laufzeit sensationelle 171 Millionen Dollar eingespielt, also das 38-fache seiner Herstellungskosten. Dies zwar vor allem deswegen, weil Get Out auch vor allem jene schwarzen Besuchermassen ins Kino zog, die früher in die immer schwächer werdenden Eddie Murphy-Komödien strömten und sich nun dankbar auf den intelligenten Grusler Weiß gegen Schwarz stürzen. Es ist das erste Regieprojekt des Drehbuchautors und TV-Serienschauspielers Jordan Peele, der seitdem als eines der heißesten Talente Hollywoods gilt.

Darum geht's in ‚Get Out‘:

Der junge schwarze Fotograf Chris (Daniel Kaluuya) ist nach schwieriger, traumatischer Kindheit endlich auf der Sonnenseite des Lebens angekommen: hochtalentiert, ein Bild von einem Kerl und seine Freundin Rose (Allison Williams) ein echt heißer Feger. Fünf Monate sind sie nun schon zusammen, und damit steht etwas auf dem Programm, vor dem Chris ein bisschen Schiss hat: das erste Treffen mit Roses wohlhabenden, oberen Mittelstandseltern Missy (Catherine Keener) und Dean (Bradley Whitford, bekannt durch seine Rolle als "falscher" Red John in The Mentalist). Die wissen noch nicht, dass Chris schwarz ist, doch Rose beruhigt: Ihre Eltern, Neurochirurg und Psychiaterin, wären zwar peinlich und nervig wie alle Eltern, aber liberale Obama-Wähler ohne Vorurteile.

Tatsächlich ist der Empfang herzlich und umarmend, bloß Chris ist noch ein bisschen gehemmt. Als einziger Raucher fühlt er sich ein wenig schuldig, vor allem, weil ihm Missy sofort eine Hypnosetherapie dagegen anbietet. Noch wehrt sich Chris, aber die Mama lässt nicht locker. Auch Roses Bruder Bradley (Caleb Landry Jones) verunsichert mit seinem Benehmen Chris - ein Hier-stimmt-etwas-nicht-Gefühl macht sich breit, das immer stärker wird, als er feststellt, dass die einzigen Schwarzen in dieser illustren Gesellschaft entweder scheue, stille Angestellte sind oder Gäste, die sich wie ferngesteuert benehmen. Als er mit seinem nervigen Kumpel Rod (LilRel Howery; großartig, sorgt für die nötige Dosis Humor) per Telefon versucht herauszufinden, was hier nicht stimmt, ist es fast schon zu spät.

Unsere Meinung zu ‚Get Out‘:

Um es kurz zu machen: Ja, jedes Lob ist berechtigt. Regisseur und Autor Peele hat ein intelligentes Meisterstück von Drehbuch abgeliefert und fantastisch umgesetzt. Praktisch jedes Detail des Settings hat später seine Bedeutung, das Gefühl der Bedrohung wird mit jeder Sequenz dichter, ein paar gut platzierte Schreckeffekte zwischendurch sorgen für fliegendes Popcorn. Schön, dass zwar am Ende Blut fließt, aber sinnlosen Splatter oder Gewalt um der Gewalt willen spielt es trotzdem nicht.

Daniel Kaluuya ist mit seinen erst 27 Jahren ein britischer Serienveteran und trotzdem eine Top-Filmentdeckung. Dass sich Peele stellenweise wirklich viel Zeit lässt mit Figuren und Story, sei verziehen - ebenso das überdeutliche Sponsoring von Microsoft, wo man zum Zeitpunkt des Drehs offenbar noch an die Zukunft seiner Mobilfunksparte glaubte. Fazit: feinster Horrorthrill.

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