Funny Games U.S.

Horror/Thriller, USA/F/GB/A/D/I 2007

In TV und Kino finden: Naomi Watts, Tim Roth, Michael Pitt, Michael Haneke

Haneke macht's noch einmal

Haneke macht's noch einmal

Zwei gelbe Regenmäntel hängen im Hausflur bereit für einen Segeltrip von Vater und Sohn. Doch aus dem idyllischen Familienurlaub am See wird nichts in Michael Hanekes "Funny Games U.S.". Jäh und vernichtend bricht Gewalt ein in das Leben der Familie. Elf Jahre nach seinem verstörenden Drama "Funny Games" hat der österreichische Provokateur die Geschichte nun in die USA verlegt.

Szenenfolge und Dialoge sind nahezu vollständig beim Alten geblieben. Die Veränderungen ergeben sich vor allem aus der Besetzung mit Hollywood-Stars wie Naomi Watts und Tim Roth. Warum so eine Neuauflage? Er habe schon bei der ersten Fassung das "amerikanische Publikum im Visier" gehabt, erklärt Haneke, der sonst jede Deutung seiner Werke wie "Caché" oder "Die Klavierspielerin" verweigert, im Presseheft zu "Funny Games U.S". Schon damals habe er reagiert "auf ein bestimmtes amerikanisches Kino, seine Gewalt, seine Naivität, und auf die Art, wie es mit den Menschen spielt".

"Ene, mene, muh - und raus bist Du", so heißt es im Film: Nie kam der Tod so banal daher, so zynisch und so frei von Erklärung oder irgendeiner moralischen Grundierung. Eine Familie, wohlhabend, gebildet, gesund und nett, fährt in ihr schickes Ferienhaus in den Hamptons an der amerikanischen Ostküste. Schon bei der Ankunft liegt Spannung in der Luft. Warum verhalten sich die Nachbarn so seltsam? Was stehen da für junge Männer im Garten?

Die "Besucher" der Nachbarn klopfen bald auch bei den von Naomi Watts und Tim Roth gespielten Eltern an: Weißes Polohemd, weiße Shorts, makellos weiße Converse-Turnschuhe, weiße Handschuhe, die Frisur sitzt. Der Teufel hat die selbstbewusst perfekten Manieren amerikanischer Eliteschulabsolventen. Doch die beiden, die sich mal Peter und Paul, mal Tom und Jerry nennen, wollen ganz und gar nicht nett sein, sondern "Spiele" spielen. Mit routinierter Brutalität überwältigen sie die Familie. Eine Nacht der Qualen, der grausamsten Zumutungen, der körperlichen und seelischen Folter beginnt.

"Funny Games U.S" ist wie schon das Original faszinierend und abstoßend zugleich. Das ist keine Unterhaltung, sondern eine schwer zu ertragende Erfahrung. Hanekes Hoffnung, in den USA vielleicht die Menschen zu erreichen, die sich durch die unbeschreiblichen Gewaltorgien von Kinohits wie "Hostel" oder "Saw" vergnügen lassen, ging bisher aber nicht auf: In Nordamerika haben die Zuschauer die Komplizenschaft mit den Mördern verweigert. "Funny Games U.S" hat hier nur knapp eine Million Dollar eingespielt - der Folterschocker "Hostel" brachte das Fünfzigfache in die Kasse.

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