Freigesprochen

Drama/ , A/LUX 2007
Intensives und bitterböses Seelenporträt

Intensives und bitterböses Seelenporträt

Peter Payer hat sich sehr zurückgenommen, als er Ödön von Horvaths Stück "Der jüngste Tag" für die Leinwand adaptiert hat. Er vertraut ganz auf die Bilder und das Spiel seiner Darsteller. Mit "Freigesprochen" liefert er ein intensives, bedrückendes und bitterböses Seelenporträt.

Im Zentrum der Handlung steht ein Zugunglück im fiktiven österreichischen Ort Himmelsthal, das 22 Menschen das Leben kostet. Nun sollen die Gerichte klären, ob menschliches Versagen im Spiel war oder nicht. Der Fahrdienstleiter Thomas hat sich jedenfalls bei der Arbeit von einer Bekannten, der jungen Anna, ablenken lassen. Beim Prozess findet er jedoch Gnade und wird freigesprochen.

Ist Versagen menschlich? Und Vergeben göttlich? Gott hält sich bei Horvath ja üblicherweise raus, da müssen sich schon die Menschen selber darum kümmern. Und bei Payer läuft das genauso. Thomas würde in seiner Umgebung auf jeden Fall Vergebung finden, und auch Anna, die im Büro des Fahrdienstleiters den verheirateten Thomas umarmt und geküsst hat, müsste eigentlich keine Konsequenzen fürchten. Doch offenbar sind es genau diese fehlenden Konsequenzen nach einem Fehler, die beide belasten.

Mindestens so aktuell ist jedoch die Frage nach dem menschlichen Versagen, die bei jedem größeren Unglück - sei es das Seilbahndrama in Kaprun oder die Zugkatastrophe von Eschede - im Raum steht. Frank Giering als Thomas und Lavinia Wilson als Anna verleihen dieser drückenden Qual gekonnt Ausdruck.

Peter Payer erzeugt neutrale Bilder, die einem gerne eine Gänsehaut über den Rücken jagen, und Sätze, die einem lange nachhängen. Der Film dreht sich um das Leben mit der Schuld, um menschliches Versagen - "bitterböse und bedrückend", wie Kritiker befinden.

Peter Payers filmische Ödon-von-Horvath-Adaption "Freigesprochen" wurde beim Internationalen Filmfestival Locarno in der Schweiz ausgezeichnet.

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