Free Rainer

Drama/ , A/D 2007
Von Regisseur Hans Weingartner

Von Regisseur Hans Weingartner

"Big Brother" war gestern, heute ist "Titanic - Die Show". So könnte eine TV-Show aussehen, die sich findige Fernsehmacher möglicherweise gerade ausdenken. In "Free Rainer - Dein Fernseher lügt" verwendet Regisseur Hans Weingartner diese fiktive Show als nur einen Beweis für die quotenbesessene Seichtigkeit des Fernsehens - und gibt sich mit Moritz Bleibtreu an der Spitze der Utopie einer TV-Revolution hin.

Nach "Das weiße Rauschen" und "Die fetten Jahre sind vorbei" ist "Free Rainer" der dritte Spielfilm des 1970 in Vorarlberg geborenen Weingartner. Nach dem erfolgreichen Thematisieren des "materiellen Auseinanderdriftens" in den "Fetten Jahren" wollte sich der Regisseur nun dem geistigen Verfall der Gesellschaft annehmen, wie er im Presseheft konstatiert. Hauptfigur ist der TV-Produzent Rainer (Bleibtreu), der mit dümmlichen TV-Shows - Stichwort: "Unterschichtenfernsehen" - riesige Quotenerfolge erzielt und die Unzufriedenheit mit seinem Leben mit Kokain und Wodka betäubt.

Als die junge Pegah (Neuentdeckung Elsa Sophie Gambard) sich an ihm für den Tod ihres Großvaters rächen will und sein Auto rammt, beginnt Rainer aufzuwachen und sein Leben zu hinterfragen. Kann es sein, dass sich das TV-Publikum eigentlich etwas ganz anderes wünscht als das, was alltäglich zwischen Talkshows, Castingshows und Billig-Soaps zu sehen ist? In Deutschland wird die Quote über das Fernsehverhalten von 5.000 ausgewählten Haushalten ermittelt. Ist das wirklich repräsentativ? Gemeinsam mit Pegah und einer Gruppe Arbeitsloser versucht er nun, die Quotenjünger - u.a. den Tiroler Gregor Bloeb als Programmchef Maiwald - mit ihrer eigenen Waffe zu schlagen.

Dass dieser Versuch - wie schon in "Die fetten Jahre sind vorbei" - sehr plakativ und revolutionsromantisch daherkommt, ist eigentlich nicht weiter schlimm. Weingarnter hat eine Menge satirisches Potenzial in seinen Film gepackt und sich gemeinsam mit Co-Autorin Katharina Held eine schöne Utopie herbeigeschrieben, die durchzudenken und mitzuerleben über weite Strecken sehr viel Spaß macht. Störender fällt hingegen auf, dass der 130-minütige Film durch fehlende Kohärenz und unnötige Längen einen immer wieder aus dem Rhythmus wirft.

Nichtsdestotrotz, auch Weingartners dritter Film wird mit Sicherheit ein großes Publikum finden und seinen Ruf als einer der wichtigsten aktuellen Filmemacher im deutschsprachigen Raum untermauern. Möglicherweise öffnet der Film mit seiner Machart auch die Türe nach Hollywood ein bisschen - nicht zuletzt der klassische, leicht ironisierte Kuss am Ende könnte darauf hindeuten.

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