Frantz

Drama, F/G 2016

Der Franzose Adrien zu Besuch bei den Deutschen

In einer deutschen Kleinstadt, kurz nach Ende des Ersten Weltkrieges: Die junge Witwe Anna (Beer) sieht, wie ein Fremder Blumen auf das Grab ihres in der Schlacht gefallenen Verlobten Frantz legt, das sie tagtäglich besucht. Der geheimnisvolle Franzose (Niney), der sich als Adrien vorstellt, behauptet, ein Freund von Frantz gewesen zu sein. Anna bringt ihn in das Haus ihrer Schwiegereltern. Dort, wie im gesamten Ort, sorgt die Anwesenheit des "Feindes" für Aufregung François Ozons (8 Frauen) vielschichtiges und wendungsreiches Drama basiert lose auf Ernst Lubitschs Antikriegsdrama ‚Der Mann, den sein Gewissen trieb‘ (1931) und erforscht die deutsche Gefühlswelt nach dem verlorenen Krieg.

Anna hat auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs ihren Verlobten Frantz verloren. Täglich besucht sie sein Grab. Eines Tages entdeckt sie dort eine Blume, kurze Zeit später einen Fremden, der in tiefer Trauer vor der letzten Ruhestätte des Toten steht. Anna spricht den mysteriösen Mann an, der sich als Franzose entpuppt und erzählt, eng mit ihrem Verlobten befreundet gewesen zu sein.

Mit "Frantz" hat der französische Regisseur François Ozon einen stillen und emotionsreichen Film über Feindschaft und Aussöhnung gedreht. In dem Drama greift Ozon frei auf den Inhalt des amerikanischen Spielfilmdramas "Der Mann, den sein Gewissen trieb" von Ernst Lubitsch aus den 1930er Jahren zurück.

Ozon erzählt die Geschichte des jungen Soldaten Adrien, der in Frankreich im Nahkampf Frantz getötet hat und über seine Tat nicht hinwegkommt. Er wird derart von Seelenqualen heimgesucht, dass er sich entschließt, die Familie des von ihm erschossenen Deutschen um Verzeihung zu bitten. Die Adresse entdeckt er auf einem Brief von Frantz, der an seine Verlobte Anna adressiert war, die bei den Eltern ihres Verlobten wohnt.

Als Adrien, gespielt von Frankreichs Jungstar Pierre Niney, in der Kleinstadt ankommt, spürt er den Hass der Bewohner auf den Erzfeind. Auch die Familie von Frantz reagiert ablehnend. Erst die Notlüge, er sei der Freund und Kommilitone ihres Sohnes, den er vor dem Krieg während seines Studiums in Paris kennengelernt hatte, verschafft ihm den Zugang zu Anna und der Familie. Sie nehmen den Franzosen fast wie einen Sohn auf.

Ozon hat den Schwerpunkt der Geschichte verschoben. Die pazifistische und völkerversöhnende Botschaft ist zwar geblieben, doch der Regisseur macht aus dem Anti-Kriegsfilm streckenweise ein emotionsgeladenes Melodrama um eine unglückliche Liebe. Denn der Franzose hat Annas Gefühle zutiefst aufgewühlt. Er habe kein gesteigertes Interesse an der geschichtlichen Epoche gehabt, sagte der 48-jährige Regisseur in einem Interview. Ihm sei es vielmehr um die Figuren und ihre Intimität gegangen.

Bei der Besetzung hat Ozon ein glückliches Händchen gezeigt: Neben Frankreichs Jungstar Pierre Niney als Frantz hat er die Deutsche Paula Beer vor die Kamera geholt. Für ihre Leistung als Anna wurde die 21-Jährige auf den Filmfestspielen in Venedig als beste Nachwuchsschauspielerin ausgezeichnet.

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