Foxcatcher

Drama, USA 2014
Mark wird von seinem Mentor DuPont tyrannisiert

Mark wird von seinem Mentor DuPont tyrannisiert

In den USA löst der Name John du Pont Gänsehaut aus, in Europa ist er weitgehend unbekannt. Mit dem Kinostart von "Foxcatcher", Bennett Millers psychologischem Drama über das schicksalhafte Bündnis des exzentrischen Millionärs mit dem Ringerduo Mark und Dave Schultz, könnte sich das ändern. Dafür sorgt nicht zuletzt der Oscar-nominierte Steve Carell in einer ungewöhnlich ernsten Rolle.

Als Mark Schultz (Channing Tatum) erstmals auf John du Pont (Carell) trifft, lässt sein Lebensstil nicht auf jenen eines Olympia-Goldmedaillengewinners schließen. In einem tristen Keller trainiert der Ringer gemeinsam mit seinem älteren Bruder Dave (Mark Ruffalo), in dessen Schatten er seit jeher steht; in seiner kahlen Wohnung isst er abends vereinsamt Instant-Nudeln vor dem Fernseher. Da kommt die Einladung des reichen Chemiekonzern-Erben, Philanthropen und Ringer-Aficionados du Pont, auf dessen Luxus-Anwesen zu wohnen und mit seiner finanziellen Unterstützung für die Olympischen Spiele in Seoul 1988 zu trainieren, gerade recht.

Mark ist fortan Goldjunge von du Ponts "Team Foxcatcher", benannt nach dem Pferdegestüt von du Ponts kritischer Mutter Jean (Vanessa Redgrave), Foxcatcher Farms. Sie ist es, deren Respekt du Pont mit dem "Coachen" eines Weltklasse-Teams gewinnen will. Dieses Ziel nicht erreichend, lässt auch seine Unterstützung für den nach mittlerweile von du Pont ebenso wie von Kokain abhängigen, nach Anerkennung lechzenden Mark nach. Das ablehnende, irritierende Verhalten du Ponts Mark gegenüber bricht dessen Selbstbewusstsein zunehmend - nicht zuletzt, als du Pont seinen Fokus auf Dave verlegt, der mit Ehefrau Nancy (Sienna Miller) und den beiden Kindern auf das Anwesen zieht. Die angespannte Stimmung befördert du Ponts Paranoia - mit fatalem Ausgang.

Bennett Miller, nach "Capote" 2006 nun erneut für einen Regie-Oscar nominiert, schafft von Anfang an eine beklemmende Atmosphäre, die sich erst nach knapp zwei Stunden mit dem Mord du Ponts an seinem Freund Dave Schultz entladen wird. Die aufsehenerregende Geschichte, die sich mit tragischem Ausgang im Jänner 1996 tatsächlich so zugetragen hat, inszeniert Miller betont zurückhaltend. Anstatt sich auf die von Medien ausgeschlachtete psychische Krankheit des desillusionierten Fanatikers du Pont zu versteifen, gestaltet er sein Porträt des stillen Mörders subtiler. Er erzählt langsam, gibt den Szenen ihren Raum, lässt sich Zeit, seine Charaktere einzuführen und offenbart dabei ihre Schwächen und Schicksale nur zwischen den Zeilen.

Steve Carell, der dank Serien wie "The Office" oder Kinorollen in "Little Miss Sunshine" und "Anchorman" zu einem der wandlungsfähigsten Komödianten Hollywoods zählt, ist in seiner ersten Drama-Rolle nicht nur äußerlich kaum wiederzuerkennen: Mit leerem Blick und befremdlich-verlangsamter Sprechweise gibt er das Bild eines zutiefst verunsicherten, vereinsamten Mannes ab, der jeden Bezug zur Außenwelt verloren und sich ein äußerst bizarres Selbstbild geschaffen hat. Archivaufnahmen zeigen, wie nah "sein" du Pont dem realen Vorbild ist - die Oscar-Nominierung als bester Hauptdarsteller war da vorprogrammiert. Mit insgesamt fünf Nominierungen geht der Film in die Oscar-Verleihung am 22. Februar, darunter auch für Miller (beste Regie) und Ruffalo (bester Nebendarsteller).

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