Flug 93

Drama/Thriller, F/GB/USA 2006
Wacklige Handkamera verspricht Authentizität

Wacklige Handkamera verspricht Authentizität

"Flug 93" vom irischen Regisseur Paul Greengrass ist der erste Hollywood-Film über das Attentat vom 11. September 2001. Das Doku-Drama behandelt die Geschehnisse in jenem Flugzeug, das von Al Kaida-Terroristen entführt, aber nicht in ein Gebäude geflogen wurde, sondern von couragierten Passagieren schon vorher auf einem Feld zum Absturz gebracht werden konnte.

Mit betenden Islamisten (und damit einem immer häufiger verwendeten Bild in US-Filmen) beginnt "Flug 93", womit das kommende Bedrohungsszenario von Anfang an angedeutet und langsam aufgebaut wird. Auch die scheinbare Unbekümmertheit und typischen Flughafen-Routinen, die anschließend von der überaus beweglichen, fast unbeteiligt wirkenden Kamera eingefangen werden, verstärken eher die Anspannung. Der dokumentarische Stil des Films wahrt Distanz und Diskretion, der Zuschauer gerät jedoch in eine Beobachterposition, aus der es kein Entkommen gibt.

Man wird im Kinosaal quasi "Zeuge" der Ereignisse weniger Stunden. Die United-Maschine mit der Flugnummer 93 startet mit etwas Verspätung, ein halbe Stunde nach Abflug stürmen die vier Terroristen das Cockpit, töten die beiden Piloten und fliegen in Richtung Washington. Parallel macht sich am Boden Entsetzen breit, hilflos müssen Flugsicherheitsbehörde, US-Luftwaffe und Einsatzzentralen die Entführungen und die Einschläge der Maschinen in das World Trade Center mitansehen.

Das Chaos in den Zentralen und im Flugzeug wird deutlich spürbar: Während die genauen Geschehnisse an Bord jedoch unbekannt sind, dürften jene am Boden zumindest nahe an die Realität herankommen. Greengrass orientierte sich mit seinem Drehbuch am Untersuchungsbericht der 9/11-Kommission und an Interviews mit zahlreichen Hinterbliebenen. Zudem brachte er mehrere Fluglotsen sowie die Leiter der zuständigen Abteilungen dazu, sich selbst zu spielen. Greengrass ist - wie schon in "Bloody Sunday" (2002) - ständig um Authentizität bemüht, weswegen der Film schließlich nur noch schwerer verdaulich wird.

An Bord verzichtete der Regisseur nicht nur auf Stars, sondern auch auf jeglichen Rambo-Patriotismus, der sich leicht hätte einschleichen können. So bekommt man am Ende große Achtung vor der Zivilcourage der Passagiere, die sich ihrer Angst entledigen konnten, die vier Entführer überwältigten und das Flugzeug statt ins Weiße Haus in ein Feld in Pennsylvania krachen ließen.

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