Florence Foster Jenkins: Die hohe Kunst der schiefen Töne

Komödie/Drama, GB 2016

Florence Foster Jenkins lebt ihren Traum

Der britische Regisseur Stephen Frears (Die Queen) verfilmte die wahre Geschichte der amerikanischen Millionärin Florence Foster Jenkins (1868-1944), die mit Inbrunst Opernarien schmettert, der aber niemand sagt, dass sie völlig falsch singt. Meryl Streep ist im Titelpart eine Klasse für sich, auch Hugh Grant empfiehlt sich mit der Verkörperung ihres Gemahls für einen Oscar.

Im von ihr gegründeten und finanzierten "Verdi-Club" tut sich Florence Foster Jenkins (Streep) im New York der 1940er Jahre nicht nur als großzügige Kunstmäzenin und Sponsorin u. a. von Arturo Toscanini hervor, immer wieder gibt sie vor erlauchter Zuhörerschaft auch ihre Sangeskünste zum Besten. Diese Konzerte sind, wie es ihr ein paar Jahre jüngerer zweiter Ehemann St. Clair Bayfield (Grant), ein abgetakelter britischer Schauspieler, ausdrückt, „nicht für Nörgler und Spötter“ gedacht. Sondern für mit Bedacht ausgewählte „wahre Musikliebhaber“.

Fremdschäm-Alarm

Obwohl man kaum falscher singen könnte, erntet die Gastgeberin dafür stürmischen Applaus und wird von allen über den grünen Klee gelobt. Auch der junge Pianist Cosmé McMoon (Simon Helberg, bekannt als Howard Wolowitz in der TV-Serie ‚The Big Bang Theory‘), der sie am Klavier begleitet und auch für sie komponiert, hält mit der Wahrheit hinterm Berg. Bei diesen Privatkonzerten liegen - noch so ein Spleen der Exzentrikerin - Unmengen von Sandwiches und Kartoffelsalat parat. Wir erfahren, dass Florence als 18-Jährige in der Hochzeitsnacht von ihrem ersten Mann mit Syphilis angesteckt wurde. Weil ihre medizinische Behandlung in der Einnahme von Quecksilber und Arsen bestand, sind ihr alle Haare ausgefallen, sie trägt eine Perücke. Ihre Ehe mit Bayfield verlief „von Anfang an enthaltsam“, der Brite hält sich nebenher eine junge Geliebte. Eine Katastrophe bahnt sich an, als sich Florence in den Kopf setzt, in der Carnegie Hall ein Konzert vor 3.000 Besuchern zu geben

Geniale Meryl Streep, kongenialer Hugh Grant

Wie schon der von Florence Foster Jenkins' Vita inspirierte französische Streifen ‚Madame Marguerite‘, der vor gut einem Jahr in den Kinos lief, hält auch Stephen Frears Hommage gekonnt die Waage zwischen skurrilem Witz und Tragik und gibt die extravagante Sängerin nie der Lächerlichkeit preis. Highlights sind natürlich die musikalischen Darbietungen, wie die berückend falsche Interpretation der Arie der Königin der Nacht aus Mozarts Zauberflöte oder die Glöckchenarie aus Lakmé. Wie nah am Original Meryl Streep die schiefen Töne trifft ,belegen Aufnahmen der echten Florence Foster Jenkins im Nachspann. Ein Muss für jeden Musikliebhaber! Fazit: Meryl Streep brilliert als umwerfend schlechte Opernsängerin. Hugh Grant spielt kongenial ihren Ehemann! – Unterhaltung mit Herz

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