Film Socialisme

Drama, CH/F 2010
Das Werk ist in drei Akte unterteilt

Das Werk ist in drei Akte unterteilt

Jean-Luc Godard gehörte zu den Begründern und einflussreichsten Vertretern der Nouvelle Vague und der Auteur-Theorie. Ehe er 1960 mit dem Nouvelle-Vague-Meisterwerk "Außer Atem" bekannt wurde, hatte er sich einen Namen als Filmkritiker der legendären "Cahiers du cinema" gemacht. Heute hat der 80-Jährige jedoch genug von der Filmbranche. "Film Socialisme" soll sein letztes Werk sein.

Immer eigenwilliger, kryptischer, sperriger wurden seine avantgardistischen Filme in den vergangenen Jahren, erreichten schon lange nicht mehr eine breite Öffentlichkeit. So zehrt Godard denn mehr vom Ruhm vergangener Tage, als durch neue Erfolge. Allein auf Filmfestivals waren Godards neue Arbeiten zuletzt regelmäßig vertreten. "Film socialisme" war sein bereits 27. Beitrag bei dem New York Filmfestival, seine Premiere feierte der Streifen in Cannes. Weil "die (von der Produktionsfirma, Anm.) ihn hingeschickt haben", wie er sagt. Ginge es nach ihm, wäre der Film durch einzelne Kopien, die von Cineast zu Cineast gereicht werden, distribuiert worden.

Nachdem sein mutmaßlich letztes Werk "Film Socialisme" bei der Viennale 2010 zu sehen war, startet es nun ausschließlich im Gartenbaukino. Den Zuseher erwartet eine experimentelle Collage über Sozialismus, Kapitalismus und politische Zerwürfnisse, unterteilt in drei Akte. Ausgangspunkt dafür ist zunächst das Zusammentreffen verschiedenster Figuren auf einem Mittelmeerkreuzfahrtschiff - vom Kriegsverbrecher bis zum Philosophen und zur amerikanischen Sängerin Patti Smith. Godard steuert dabei die Stationen Ägypten, Odessa, Hellas, Neapel und Barcelona an - und natürlich Palästina. So wurde der Regisseur wiederholt wegen seiner Haltung gegenüber Israel und den Palästinensern kritisiert, auch von renommierten Blättern wie der "New York Times" wird der Verdacht des Antisemitismus erhoben - ein Vorwurf, zu dem der Filmemacher beharrlich schweigt.

In "Film Socialisme" wechseln dagegen beeindruckende HD-Bilder mit verwackelten Handkameraaufnahmen aus der Schiffsdisco. Im Kapitel "Quo vadis, Europa" lässt Godard zwei Kinder ihre Eltern mit Fragen über Freiheit und Gleichheit konfrontieren, ehe er im letzten Teil, "Humanites", Filmausschnitte und Schriften aneinanderreiht. "Film socialisme" verstehen zu wollen, gestaltet sich schwierig. Godard verzichtet in den Untertiteln der größtenteils französischen Dialoge bewusst auf Verben und Artikel. "Er ist Meister darin, dich fühlen zu lassen, dass wenn du es nicht verstehst, es dein Fehler ist, nicht seiner" schrieb ein Filmkritiker. Paradigmatisch daher auch die letzten zwei Worte im möglicherweise letzten Film des Meisters: "No comment".

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