Faust

Drama, RUS 2011

In TV und Kino finden: Johannes Zeiler, Isolda Dychauk, Anton Adasinsky, Aleksandr Sokurov

Großartige Schauspieler am Werk

Großartige Schauspieler am Werk

Ein Film, der wirkt, als wäre er aus der Zeit gefallen; ein bizarres, fast atemloses künstlerisches Experiment, das einen sprachlos hinterlässt und nicht so schnell aus dem Kopf gehen wird: "Faust" von Alexander Sokurow, der in Venedig völlig zurecht den Goldenen Löwen gewonnen hat, kommt nun ins Kino.

Der österreichische Hauptdarsteller Johannes Zeiler in der Hauptrolle kommt so expressionistisch und wuchtig daher, als hätte er tatsächlich einen Pakt mit dem Teufel geschlossen. Gegenüber der APA gab sich der Schauspieler jedoch bescheiden: "Das liegt vor allem an der sehr präzisen und perfektionistischen Art von Sokurow." Zeiler, eigentlich im Wiener Schauspielhaus beheimatet und einst auch Mitglied in Peter Steins Faust-Ensemble, stattet seine Figur mit einer gewissen Hilflosigkeit im Alltag und einem rastlosen Streben nach Allmacht und Allwissen aus, nach Liebe und Geld und allem eben, was die Welt im Innersten zusammenhält. Dass Faust bei seinem Versuch an Geld zu kommen bei einem wuchernden Pfandleiher (Anton Adasinsky) landet und diesem - einem ungelenken, alles andere als intellektuellen Mephistopheles - schließlich seine Seele verkauft, scheint schließlich kaum mehr eine freie Entscheidung, sondern schiere innere Notwendigkeit. "Es geht natürlich um Macht und Wissenserwerb bis zur Potenz", fasste Zeiler zusammen, "aber das immer verbunden mit den elementaren Bedürfnissen des Menschen."

Angesiedelt ist der gesamte Film im 19. Jahrhundert, in einer kleinen dreckigen Stadt, in der Krankheit und Tod ebenso selbstverständlich sind wie Gewalt und Krieg. Sokurow drehte die freie Adaption des Goethe-Stoffs im ungewöhnlichen 4:3-Format mit abgerundeten Ecken, die Farbgebung ist erdig, die Optik vielfach verschoben, tatsächlich verrückt im besten Sinne des Wortes. Der Film ist physisch und schnell, er beißt und kratzt und schlägt auch förmlich zu, wenn es sein muss - kein klassischer Publikumsfilm also, aber ein grandioser Film für das Publikum. Gedreht wurde auf Deutsch, obwohl Sokurow die Sprache kaum versteht. "Das war bei den Dreharbeiten kaum ein Thema", so Zeiler, "außer wenn er gesehen hat, dass die Lippen ein bisschen lasch werden, dann hat er mehr Disziplin eingefordert."

Der russische Regisseur schloss mit "Faust" eine Serie von vier Filmen ab, mit der er den Mythen und Mechanismen der Macht nachspürte. Während in "Moloch", "Taurus" und "Sonne" die Machthaber Hitler, Lenin und Japans Kaiser Hirohito erkennen müssen, dass sie keine Götter, sondern nur Menschen sind, transzendiert Faust in gewisser Weise vom Menschen zum Gott, wenn er am Schluss seinen triumphalen Marsch um die Welt antritt. Sokurow sah seinen Film auch als Parabel auf eine allgemeine Krise der europäischen Kultur. Die in seinem Streifen gezeigte Suche nach der menschlichen Seele sei ein Symbol für das derzeitige Bewusstsein in Europa, das sich seiner Werte nicht mehr sicher sei. Interpretationen lässt "Faust" aber ohnehin jede Menge zu - wenn man nach dem Staunen den Mund wieder geschlossen hat.

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