Fallen

Drama/ , A 2006
Fünf Frauen suchen den Sinn des Lebens

Fünf Frauen suchen den Sinn des Lebens

Fünf Frauen und ein Todesfall: 14 Jahre nach der Matura treffen sich fünf Schulfreundinnen beim Begräbnis ihres früheren Lehrers in einer Kleinstadt wieder. Sie sind alle Anfang 30 und erinnern sich an früher. Barbara Alberts Venedig-Beitrag "Fallen" glänzt durch sensible Kameraführung und starke Hauptdarstellerinnen.

Nina Proll (die 1999 in Venedig den Marcello Mastroianni-Preis für ihre Mitwirkung in Alberts "Nordrand" erhielt), Ursula Strauss, Birgit Minichmayr, Kathrin Resetarits und Gabriela Hegedüs (in ihrem Filmdebüt) spielen die fünf erwähnten Schulfreundinnen, die alle unterschiedlichste Lebenserfahrungen hinter sich haben.

Eine (Resetarits) ist Filmstar in Deutschland geworden, eine (Proll) ist arbeitslos und hochschwanger, die dritte (Strauss) arbeitet am Arbeitsamt, die vierte (Hegedüs) hat ihre 12-jährige Tochter mitgebracht und die einstige Weltverbesserin (Minichmayr) ist Lehrerin geworden. Zwischen ihnen entsteht sofort eine Ahnung der alten Vertrautheit. Viele Gefühle sind mit im Spiel, doch mit Fakten sind sie sehr zurückhaltend. Alle haben etwas zu verstecken und die Frage "Wie geht's Dir eigentlich in echt?" kommt einem Affront gleich. Die echten Lebensgeschichten kommen erst nach und nach ans Licht - alte Liebschaften, Affären mit dem Lehrer, ständige Schmerzen oder durch Drogen und Gefängnis verpfuschte Leben.

Jede einzelne Biografie steht für einen anderen Lebensentwurf und eine andere Variante des Scheiterns - was den Film mitunter ebenso konstruiert wirken lässt wie das vorhersehbare Aus-dem-Ruder-Laufen des Abends, an dem die Freundinnen noch auf einem Hochzeitsfest und schließlich in der Dorf-Disco landen. Die Erzählweise ist es jedoch, die "Fallen" tatsächlich zu dem angestrebten Generationenporträt werden lässt, zu einer Momentaufnahme, bei der die Träume und Utopien von einst noch präsent sind, dem Vergleich mit der Wirklichkeit aber stand halten müssen.

Dazu dient ein raffiniertes Spiel der Zeitebenen, bei dem etwa zunächst nicht klar ist, wer und wann "Wir sind frei!" auf die Schultafel geschrieben hat, vor allem aber eine sensible, empathische, ja geradezu zärtliche Kameraführung. Barbara Albert und ihr Kameramann Bernhard Keller machen innere Vorgänge transparent, zeigen die Gesichter, in denen sich Emotionen genauso spiegeln wie Erfahrungen, in Großaufnahme, und verlieren diese Zuwendung auch dann nicht, wenn Alkohol für Entäußerung sorgt, wenn in früher Morgenstunde Zusammenbrüche und Regression angesagt sind, Fassaden einbrechen, Halt gesucht wird.

Der Film schafft es, melancholisch und lustig zugleich zu sein. "Ich bin 30, und ich fühle mich gut!" hat Resetarits gegen Ende im Werbe-Aufnahmestudio fröhlich und überzeugend ins Mikrofon zu säuseln. Doch die Hochglanz-Fassade hat doch schon einige Risse bekommen...

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