Factory Girl

Drama, USA 2006
Sie schaffte es zu kurzzeitigem Ruhm

Sie schaffte es zu kurzzeitigem Ruhm

"In der Zukunft", so prophezeite Pop-Art-Guru Andy Warhol einmal, "wird jeder für 15 Minuten berühmt sein." Seine Muse Edie Segdwick, das "Factory Girl", schaffte es sogar etwas länger. Regisseur George Hickenlooper beleuchtet in seiner Filmbiografie den kometenhaften Aufstieg und rasanten Fall dieses Glamour-Girls der 60er Jahre.

Regisseur Hickenlooper porträtiert die bereits mit 28 Jahren an einer Überdosis ums Leben gekommene Edie Sedgwick (Sienna Miller) als Opfer - des von ihm als Blutsauger dargestellten Andy Warhol (Guy Pearce), des "Musikers" und letztlich ihrer selbst. Bob Dylan, der seine Rolle im tatsächlichen Leben dieses "armen, kleinen, reichen Mädchens" ("Poor Little Rich Girl", 1965, Andy Warhol) vehement bestreitet, verschaffte "Factory Girl" mit juristischen Querelen (ungewollte) Publicity. Am Ende weiß nun jeder, dass mit dem von Hayden Christensen gespielten, näselnden namenlosen Musiker mit der Mundharmonika und dem Hut Bob Dylan gemeint sein könnte. Dem Film zufolge hätte er Edies Rettung hätte sein können, er soll sie aber fallen gelassen haben. Aber das ist die Interpretation des Films, und da ein Biopic keine Dokumentation ist, sind künstlerische Freiheiten durchaus erlaubt.

Edie, Tochter aus extrem wohlhabendem aber kaputtem Elternhaus, kommt mit Anfang 20 nach New York. Die charismatische, schöne aber psychisch schwer angeschlagene Frau avanciert zum Party-Girl, ziert das Cover der "Vogue", wird zur Stil-Ikone. Edie Sedgwick und ihr damaliges Outfit würden heute - nach wie vor - hervorragend in jedes Modemagazin passen. Auch Sienna Miller passt perfekt in "Factory Girl", sieht sie doch der wahren Edie in dem Film enorm ähnlich. Verbrieft ist, dass Andy Warhol fasziniert von Edie war. Er machte sie zu seinem glamourösesten Supergirl in seiner "Factory", der umgebauten Hutfabrik, die in den 60ern sein Atelier und Künstlertreff war. Sex, Drugs and Rock'n'Roll prägen somit auch Edies Leben - und führen schnell zu ihrem Absturz.

Hickenlooper arbeitet mit Montage-Technik, gelegentlichen Schwarz-Weiß-Aufnahmen und Handkamera. So gibt er "Factory Girl" den Anschein einer Dokumentation. "Factory Girl" transportiert über Kunst, Mode und Musik die Stimmung der damaligen Zeit. Doch Kritiker bemängelten nach den Premieren in den USA und Großbritannien die Oberflächlichkeit der Story. Der Streifen kommt am 6. August in unsere Kinos. An diesem Tag wäre der Ausnahmekünstler Andy Warhol 80 Jahre alt geworden.

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