Extrem laut und unglaublich nah

Drama, USA 2011
Thomas gibt seinem Sohn Oskar Rätsel auf

Thomas gibt seinem Sohn Oskar Rätsel auf

Stephen Daldry hat Jonathan Safran Foers Roman über kindliche Trauer nach 9/11 verfilmt: In "Extrem laut und unglaublich nah" erzählt er vom Leid eines Elfjährigen, der durch die Anschläge auf das World Trade Center 2001 seinen Vater verloren hat. Der zweifach Oscar-nominierte Film läuft derzeit bei der Berlinale im Wettbewerb außer Konkurrenz.

Oskar (Thomas Horn) lebt in seiner eigenen Welt, die scheinbar nur sein Vater Thomas Schell (Tom Hanks) verstehen und mitgestalten konnte. Dieser schickte Oskar mit Hilfe von Rätseln und Expeditionen auf die Straßen New Yorks hinaus, die ihm so furchterregend erscheinen. Der Symptome des Aspergersyndroms aufweisende Oskar plagt sich mit lauten Geräuschen, mit öffentlichen Verkehrsmitteln, Aufzügen, hohen Gebäuden. Ängste, die sich mit dem Tod seines Vaters, der bei den Anschlägen auf das World Trade Center ums Leben kommt, ins Unermessliche steigern - genauso wie sich die Distanz zu seiner selbst von Trauer überwältigten Mutter Linda (Sandra Bullock) weiter vergrößert.

Als Oskar ein Jahr nach dem "schlimmsten Tag" im Schrank seines Vaters einen Schlüssel in einem mit "Black" beschrifteten Umschlag findet, vermutet er darin ein weiteres Rätsel seines Vaters. Die Chance ahnend, ihm damit wieder näher zu kommen, macht sich Oskar auf, alle 472 New Yorker mit dem Nachnamen "Black" aufzusuchen und sie nach dem Schloss zu dem mysteriösen Schlüssel zu fragen. Unterstützung erhält er bald vom schweigsamen, neuen Untermieter (Max von Sydow) seiner Oma (Zoe Caldwell), der sich als lange verschollener Großvater herausstellt und statt zu sprechen über Notizbücher kommuniziert.

Jonathan Safran Foer ("Alles ist erleuchtet", "Tiere essen") war mit "Extrem laut und unglaublich nah" 2005 einer der ersten, die sich ganz unmittelbar den Ereignissen der Terroranschläge widmeten. Die Sicht eines verwirrten Kindes sei ihm repräsentativ erschienen für die Nach-9/11-Seele seiner Landsleute, so Foer. Mit der nunmehrigen Verfilmung ist Stephen Daldry ("Der Vorleser") knapp zehn Jahre nach den Anschlägen auch der Erste, der das nationale Trauma, nicht den Hergang der Anschläge selbst, auf die große Leinwand bannte. Flüchtende Menschen und einstürzende Türme zeigt der Brite dabei bewusst nicht. Nur ein Mal sehen wir das brennende World Trade Center durch ein Bürofenster - gemeinsam mit Linda Schell, die in diesem Moment zum letzten Mal die Stimme ihres Mannes am Telefon hört.

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