Exit through the gift shop

Dokumentation, USA/GB 2010 Exit through the gift shop

"Der Film passierte, als dieser Typ eine Doku über mich machen wollte. Aber der war viel interessanter als ich, also geht's jetzt um ihn." Banksy, weltweit berühmtester Vertreter der Street Art, kreierte mit seinem Streifen "Exit through the gift shop" ein weiteres Mysterium um seine Person.

Als Amateurfilmer Thierry Guetta einen miserablen Street-Art-Film über ihn dreht, beschließt Banksy, das Ganze umzudrehen, Guetta zum Künstler zu machen und ihn dabei zu filmen. Die scheinbare Doku wird dabei zu einer intelligenten, unterhaltsamen Mockumentary über Kunst und Kommerz, Individualität und Hype. Thierry Guetta, in Los Angeles ansässiger Franzose, stößt durch seinen Cousin, den bekannten Street Artist "Invader", auf die zwischen Kunst und Kleinkriminalität schwankende Underground-Szene der Straßenkunst. Der Hobby-Filmemacher heftet sich an die Künstler, macht ihnen vor, eine Doku über ihre Szene drehen zu wollen. Doch einer fehlt ihm als Protagonist: Banksy. Weltweit hatte der Engländer mit seinen witzigen und zugleich politischen Motiven für Aufsehen gesorgt, sprayte u.a. Graffiti auf die israelische Grenzmauer an der West Bank und schmuggelte von ihm bearbeitete Gemälde in große Museen. Was einst für die Öffentlichkeit "Geschmiere" war, wurde plötzlich zu Kunst: Seine Graffitimotive und Skulpturen bringen am Kunstmarkt Millionenbeträge ein. Gleichzeitig blieb er undurchschaubares Mysterium für Medien und Polizei.

Als sich Banksy und Guetta kennenlernen, beschließen sie, eine Doku über die wahren Gedanken hinter der mittlerweile kommerziell erfolgreichen Street-Art zu drehen. Doch vom Ergebnis ist Banksy enttäuscht, nennt es eine "90-minütige, Albtraum-artige Trailer-Schau". Der Brite dreht daraufhin den Spieß um, ermutigt Thierry, selbst Street-Artist zu werden und ihm die Regie zu überlassen. Die Konsequenz: Thierry wird als "Mister Brainwash" zum großen Hype, organisiert im Größenwahn eine riesige Ausstellung und verdient innerhalb der ersten Woche nach Eröffnung mit seinen an Banksy und anderen Künstler angelehnten Werken eine Million Dollar. Und Vertreter der Street-Art-Szene schütteln beschämt den Kopf. "Ich werde nie wieder Menschen dazu ermutigen, Kunst zu machen" ist Banksys Fazit.

Banksy gelingt erneut das, wofür er berühmt ist: Auf der Berlinale war "Exit through the gift shop" von Medienrummel begleiteter Geheimtipp, weltweit stellen Kritiker infrage, ob auch nur ein Funken Wahrheit in dem Gesehenen steckt. Dem Briten gelingt eine Mockumentary in ihrer reinsten Form: ein Film, der mit den Codes und Konventionen des Dokumentarfilms arbeitet, dessen Inhalt aber mit hoher Wahrscheinlichkeit frei erfunden ist. Ob erfunden oder real, der Zuseher wird 90 Minuten lang durchgehend unterhalten, erhält Einblick in die mysteriöse Underground-Szene der Straßenkünstler und sieht sich mit dem Gedanken konfrontiert, inwieweit Kunst tatsächlich Kunst oder nur Hype ist.

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