Exils

Drama/Abenteuer, F 2004

Der bedrückende Eingangsmonolog von Roman Duris weist bereits auf das kühne Unterfangen des neuen Films von Tony Gatlif hin: Es sollen die zu Wort kommen, die im Unrecht sind, die Fehler machen. "Exils" ist kein beschaulicher Reisefilm, sondern die Dokumentation des harten Schicksals von Exilanten oder illegalen Einwanderern.

Zano (Roman Duris) hat eine verrückte Idee: Zusammen mit seiner Freundin Naima (Lubna Azabal) möchte er durch Frankreich und Spanien bis nach Algerien reisen, um endlich das Land kennen zu lernen, aus dem ihre Eltern fliehen mussten. Die beiden stürzen sich in ein Abenteuer: schlafen, wo sie einen Platz finden, bummeln herum, verlaufen sich, streiten hin und wieder oder stehen ohne Geld da.

Eine ständig schwelende Unkonventionalität kennzeichnet die Inszenierung Gatlifs und vor allem den Schnitt: In dieser besonderen Ästhetik vereinen sich die Härte der Lebensumstände mit den seltenen und flüchtigen Momenten des Glücks und der Emotionen. Je näher Zano und Naima ihrem Ziel Algerien kommen, wo sie nach ihren Erinnerungen und ihrer Identität suchen, desto stärker zerfallen die traditionellen Erzählstrukturen und machen einer Orgie aus Tanz und Gesten Platz.

"Diese anarchistische Ekstase ist die Voraussetzung für das Aufbrechen der mentalen und gesellschaftlichen Fesseln der Protagonisten, das ihnen eine Art Befreiung ermöglicht und schließlich mit eruptiver Wucht in einer unglaublichen Trance-Szene mündet, wo endlich alle Hindernisse überwunden werden", schreibt Julien Welter. "Das Unbequeme ist ein Leitmotiv dieses Films, doch gerade dadurch wird uns der unbändige Emanzipationsprozess seiner Helden in einer Weise nahegebracht, wie es nur wenigen anderen Filmen gelingt."

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