Ewige Jugend

Drama, I/F/CH/GB 2015

Paolo Sorrentino übertrifft sich mit "Ewige Jugend" selbst

Paolo Sorrentino ist nach seinem Oscar-gekrönten Meisterwerk "La Grande Bellezza" mit einem neuen Epos zurück auf der Kinoleinwand - und übertrifft sich mit "Ewige Jugend" selbst. Der bildgewaltige, starbesetzte Film vereint alle Facetten des Lebens: die tragische wie die komische, die banale wie die tiefgründige, die junge wie die alte.

Als Schauplatz für sein auf Englisch gedrehtes Figurenkabinett hat der Neapolitaner Sorrentino ein Schweizer Bergsanatorium gewählt, wo er das Geschehen gleichsam zu einem "Zauberberg" des 21. Jahrhunderts im Stile von Altmeister Federico Fellini arrangiert. Unter anderen sind hier die beiden alten Freunde Fred (Michael Caine) und Mick (Harvey Keitel) einquartiert. Fred ist ein berühmter Komponist, der sich aber aufs Altenteil zurückgezogen hat. Die Bitte eines Abgesandten der Queen, zu seinem Ritterschlag seine "Simple Songs" aufzuführen, lehnt er rundweg ab.

Der umtriebige Regisseur Mick arbeitet hingegen mit einer jungen Autorentruppe an seinem letzten großen Film. Seine gealterte Muse Brenda (Jane Fonda) will die Hauptrolle jedoch nicht annehmen, was das Projekt ins Wanken bringt. Freds Tochter und Assistentin Lena (Rachel Weisz) wird indessen von ihrem Mann für die Popsängerin Paloma Faith (gespielt von Faith persönlich) verlassen und nähert sich dem Bergführer Luca Moroder (gespielt vom Wiener Robert Seethaler) an. Hollywoodschauspieler Jimmy (Indie-Shootingstar Paul Dano), der sich im Wellnesshotel auf seine Rolle in einem deutschen Film (natürlich Hitler) vorbereiten und über das Leben philosophieren will, ergänzt das große Ensemble, das von zahlreichen weiteren stummen, jedoch nicht platten Figuren erweitert wird.

Dabei gelingt es Sorrentino, der auch als Drehbuchautor hinter dem Projekt steht, die Richtigkeit des Geschehens nicht in der Vielzahl an Charakteren untergehen zu lassen. Seine scharfen, witzigen Dialoge erinnern an Woody Allen in Topform, während poetische, wortlose Bilder aus dem Sanatoriumsalltag als Gelenke zwischen den einzelnen Szenen für den schwebenden Fortgang der Erzählung sorgen. Die Figuren sprechen mit zitatwürdigen Sätzen wie "Lasst uns nicht in der Wahrheit verheddern" über den Gang der Zeit, über Freundschaft und Liebe, das Alter und die Jugend, die Sicht auf das Leben und Prostataprobleme. Und doch kommen die Gespräche nie mit altväterlichem Arthaus-Duktus daher, sondern behalten bei aller Dramatik stets großen Humor.

Den streckenweise beinahe naturalistisch gehaltenen Dialogen stehen die weiten, surrealen und eindrücklichen Bilder von Sorrentinos Stamm-Kameramann Luca Bigazzi gegenüber, die bisweilen mit klassischer oder mit Popmusik unterlegt sind. Komponist Fred dirigiert die Kühe und ihre Glocken auf der Weide und eine an Maradona angelehnte Figur tritt Tennisbälle in den Himmel. Auch den wohl lakonischsten Selbstmord der Filmgeschichte vereint Sorrentino in diesem Kaleidoskop.

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