Evolution der Gewalt

Dokumentation, A 2011
Bedrückende Zeugnisse

Bedrückende Zeugnisse

Es ist eine harte Realität, die der in der Steiermark aufgewachsene und heute in Wien lebende Regisseur Fritz Ofner in Guatemala eingehend untersucht hat. Ofner, der einige Zeit in Guatemala gelebt und ein Hotel betrieben hat, machte sich in zahlreichen Gesprächen auf Spurensuche. Seine Ergebnisse sind in seinem ersten Kinodokumentarfilm "Evolution der Gewalt" zu sehen.

Mit mehreren Morden täglich und einer der höchsten Mordraten der Welt ist das mittelamerikanische Land, in dem bis vor 15 Jahren noch ein blutiger Bürgerkrieg tobte, heute immer noch von Gewalt überschattet. Der Film beginnt an einem Mordschauplatz. Die Spuren werden gesichert, Schaulustige mit Kindern treiben sich herum, Fernsehjournalisten haben sich schon vor den Kameras in Stellung gebracht. Der Regisseur selbst bleibt im Hintergrund, er beobachtet und lässt die Ereignisse für sich sprechen. Wenn er dann mit den Journalisten per Satellitenwagen von einem Opfer zum nächsten fährt, wird er unter anderem hören, dass ein Tag ohne einen Toten ein langweiliger Tag sei. Dieser Zynismus des Kriminalitätsreporters macht erst die Spannweite deutlich, mit der Ofner es bei seinen Recherchen und Gesprächen zu tun bekam, von traumatisierten Familien bis hin zu engagierten Zivilpersonen, von grausamen Soldaten bis hin zu desinteressierten Richtern.

"Die Art und Weise, wie man Gewalt zeigt oder nicht, entscheidet darüber, ob man zu dem Film stehen kann", erklärte Ofner im Gespräch mit der APA seinen Zugang. "Ich wollte also nicht die Sensationalität der Gewalt zeigen, sondern einen Film über den Umgang mit Gewalt machen - nicht den Tatort beobachten, wie die Journalisten das machen, sondern die Journalisten am Tatort beobachten." Ofner spricht also mit Sozialarbeitern, mit Selbsthilfegruppen, mit Überlebenden eines Bürgerkriegsmassakers, mit einem Soldaten, er filmt im Justizgebäude, gerät in der Stadt in einen aufgewählten Lynchjustiz-Mob. Er zieht keine vorschnellen Schlüsse, sondern trägt anhand der Erzählungen Schicht um Schicht ab, um so zu einem möglichen Kern zu finden.

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